Sailing 

18 Jul

Ich sitz am Gang im Krankenhaus und warte bis sie den frisch Knie operierten Gatten wieder zurückschieben. 

Eine schon sehr hochbetagte Patientin taumelt barfuß aus einem Zimmer, ein großer Teil der Schädelplatte scheint eingedrückt. Sie kann auch nicht mehr sprechen und summt unverständlich vor sich hin. 

Da kommt eine Krankenschwester aus dem Zimmer und singt laut „I am sailing“ von Rod Steward. Sie geht auf die Patientin zu, nimmt sie in den Arm und singt laut weiter. Dazwischen bespricht sie mit ihr wohin sie jetzt segeln und mit welchem Schiff. Der Patientin gefällt es, vielleicht summt sie sogar mit. Man weiß es nicht. 

So tanzen die beiden den Gang entlang. „We are sailing, we are sailing, home again cross the sea“

Viele Menschen vollbringen wirklich Großes  im alltäglichen Kleinen. ❤

Let it go.

16 Jul

Eine Woche Ferienzeltlager ist vorbei.

Für mich war es zugegeben eine lange Woche.
Eine Woche voll besorgter Blicke auf den Wetterbericht und im Kopf durchgespielter Zeltstadt Evakuierungs-Szenarien.
Eine Woche voll Gedanken wie man in der Nacht alleine dort aufs Klo kommt und ob ein Temperaturabfall auf 10 Grad die Aufrechterhaltung der Vitalfunktion von 6jährigen noch gewährleisten kann….

Für das Kind war es eine sehr kurze Woche voller Spaß & Abenteuer.
Eine Woche mit den tollsten Erlebnissen, die man sich vorstellen kann. Ihr Highlight: das Heu hüpfen vom Heugreifer und der karibische Abend. (Den Hang zu Motto Abenden hat sie eindeutig von ihrer Tante Carola)
Eine Woche voll mit neuen Eindrücken und Freundschaften, mit 260 Kindern zwischen 6 und 15 Jahren.
Eine Woche ohne schlaue Eltern-Ratschläge, wo man sich eben dann etwas wärmeres angezogen hat, wenn einem kalt wurde.
Eine Woche voller Mut und Selbstständigkeit.
Auch eine Woche mit selbstverständlichem Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung, die vielleicht etwas anders sind, weil es war ein integratives Feriencamp.

„Hattest du nie Heimweh?“, hab ich sie gefragt.
„Einmal hab ich auf mein Handtuch geguckt, dann hab ich an euch gedacht und Heimweh gehabt.
Und dann is mir aber wieder Spiel und Spaß in den Bauch gekommen und alles war wieder gut.“

Jetzt sind wir am Heimweg mit einem glücklichen Kind am Rücksitz, dass viel neues gelernt hat und jetzt auch eine neue Sprache spricht: oberösterreichisch.

Fazit: es zahlt sich aus Neues zu wagen und auch mal loszulassen. Und wenn es schwierig wird, dann einfach wieder Spiel & Spaß in den Bauch lassen …

Let it go !!!!

Kein königlicher Abgang…

13 Jul

Mein Auto war vor kurzem zum 3. Mal wegen kaputter Klimaanlage in der Werkstätte. Bei jedem Wiedereintritt in das Werkstätten Universum hat MANN nicht verabsäumt mich zu fragen: „ob ich die Klima Ablage auch richtig bedient hätte.“ !!!! 
Ich mein, was is das für eine Frage! Ich bin eine Frau! Ich kann mit einem Glätteisen Locken zwirbeln, natürlich kann ich auch Auto Klima Anlagen korrekt bedienen! Was das heiße Glätteisen mit meinem zu Auto zu tun hat, hat der nette Servicemann verzweifelt ratlos weggelächelt…. Mir is zum Thema Hitze Stau gach kein besserer Vergleich eingefallen.

Beim 3. Werkstätten Besuch war ich am Ende mit meiner Continuance und hab vehement, bis zur Klärung der Sachlage, ein kostenfreies Ersatzauto gefordert. Offenbar waren die Frauen tauglichen Automatik Kleinwagen grad aus. Oder es gibt für speziell hysterische Kundinnen noch speziellere Reinfetzer Autos (vulgo: Schlampen Schlepper) um die Damen in verzücktes, erstarrtes und somit hoffentlich endlich schweigendes Erstaunen zu versetzen. Funktioniert nur bedingt bei mir, weil ich mit Autos nix am Hut hab. Außer die Sitzbezüge sind aus Alpaca Wolle gestrickt. Egal. 

Auf jeden Fall bringt man mich zum Ersatzauto. Ich dachte zuerst: „Jö! Es gibt jetzt eine Ralph Lauren Edition von Land Rover!“ Mit Brille hab ich dann eh gesehen, dass vorn drauf das Logo kein Pferdchen sondern ein Jaguar war.  

„Soll ich Ihnen ausparken?“ 

Sowas brauchst mich nicht fragen! Unverschämte Ehrenbeleidigung! Weil ich bin die Parkkönigin von ganz Wien. Fahren kann ich nicht, aber königlich gut ein- oder ausparken. Also hab ich jetzt das Angebot vom Servicemann weggelächelt und bin erhobenen Hauptes in Richtung Jaguar los marschiert. 3 Bauarbeiter am Gelände und die gefühlte gesamte männliche Besatzung der Werkstatt haben interessiert beobachtet ob ich rückwärts aus der engen Parklücke zwischen zwei Baumaschinen den Jaguar unbeschädigt rausfahren kann. 

Im Kopf bin ich schon die schnittige Streckenführung durchgegangen, wie ich da raus flitz und durchstarte, Gummi gummi! Königlicher Staub möge hinter mir her wehen….

Was soll ich sagen. Das Ende der Gschicht war, dass ich nach 15 Minuten im Fahrzeug Innenraum den Rückweg angetreten habe. Autofahrer unterwegs. Allerdings zu Fuß und reumütig zurück zum Servicemann. 

„Könnten Sie mir bitte den Sitz vorstellen, damit ich zu den Pedalen komme?“

Sternstunde war das keine ….

Aber Hauptsache man hat schon selbstfahrende Autos erfunden. Vielleicht könnte man lieber mal Basis Funktionen anwendungs-intuitiver gestalten… 

So wie mein Glätteisen zum Beispiel….

***heute Drama *** 

29 Jun

Seit Wochen hab ich diesen Text Ohrwurm: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.Dauernd fällt er mit ein und ich weiß nicht woher. Vielleicht von einem Glückskeks? Oder einem Hotelwand-Spruch? Oder einem Schneidbrettchen? Einem Ratgeber für Ernährungsumstellung? Ich weiß es nicht.


Ich weiß nur, dass er mir ständig einfällt. Bei der Ballett Abschluss Vorführung, beim Kindergarten Abschiedsfest, bei der Kindergarten Abschiedsmesse. Als mich die Kindergärtnerin heute gefragt hat, ob wir uns noch sehen. Und als das Kind später erzählt hat, dass ihr Kindergarten Freund sich abwischen musste beim Abschieds-Sesselkreis, weil sie ihn „vollgeweint“ hatte. Vor einem Jahr ist er in die Gruppe gekommen und konnte kein Wort Deutsch. Jeden Tag haben sie trotzdem zusammen gespielt und sie hat ihm neue Wörter und Sätze beigebracht. Nach einiger Zeit kam sie strahlend heim. „Mama, er kann schon einen richtigen Satz!“ 

Am Küchentisch liegt ein Buch mit Prinzessin Sofia am Titelbild. „Meine Kindergarten Freunde“. Jede Seite ist ausgefüllt. Das Buch ist jetzt voll. 

Morgen ist der letzte Tag. Für viele. Der letzte Kindergartentag. Der letzte Tag in der Volksschule. Der letzte Tag nach der Matura. Der letzte Tag bevor es in eine andere Stadt oder ein anderes Land geht. Zum Arbeiten, Studieren oder feiern auf der Maturareise. Abschiede, Abschiede, nix wie Abschiede. 

Ich habe unsere großartige Kindergarten Pädagogin gefragt, ob nur wir Eltern so hysterisch sind und sie sich da berufsbedingt leichter tun mit dem Abschied nehmen. Die Antwort war: „ich dachte man gewöhnt sich daran. Aber das tut es nicht.“

In diesem Sinne wünsche ich allen die dieser Tage Abschied nehmen alles Liebe & Gute. Und die Arbeit von allen Menschen, die mit unseren Kindern arbeiten, Ihnen helfen zu wachsen und sich zu entwickeln, kann man auch nicht hoch genug einschätzen. Danke dafür! 

Der erste richtige Satz, den sie dem Kindergartenfreund beigebracht hat, war übrigens: „Wollen wir etwas spielen?“ 

Möge diese Freude am Lernen & Spielen ein Leben lang anhalten. 

So jetzt hör ich auf, es ist schon alles „vollgeweint“. 

PS: Der Kalenderspruch ist keiner, sondern ein Gedicht vom Hesse, hab ich inzwischen gegoogelt.

Auszug: 

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe, Bereit zum Abschied sein und Neubeginne…..“

Vom Atmen & Spüren 

26 Jun

Heute früh war ich schon um 6.30 in der Schnellbahn unterwegs nach Mistelbach, zu einem kleinen chirurgischen Eingriff. Am Bahnhof schnell noch die „Brigitte Woman“ gekauft. So eine Zeitschrift verkauft sich ja primär über die Coverstory, in meinem Fall war das heute der Aufhänger „Ich putze gern – es gibt Frauen die es wirklich lieben!“ Man lernt ja nie aus und ich bin offen für Lebensratgeber.


Irgendwo in Dribsdrül steigen dann zahlreiche Jugendliche zu, am Weg in die Schule. Zuerst hab ich befürchtet, dass es jetzt aus ist mit der romantischen S-Bahn Ruhe, sanft schaukelnd durch die Weinviertler Weizenfelder. Weit gefehlt! Die waren alle mucksmäuschenstill. Offenbar hat sich die Jugend geändert seit meiner eigenen Schulzeit. Bei uns wurde laut herumgeschrien, man hat dekorative Kosmetik, Hausübungen oder Tschick ausgetauscht, manchmal auch „Hygieneartikel“ wenn wer „die Tante auf Besuch“ hatte. Das letzte Disco Wochenende wurde nachbesprochen und das nächste geplant. Es wurde verhandelt wer mit der Vespa fährt und wer den Adabei Ribiselwein besorgt. 

Die Weinviertler Schüler dürften hingegen nicht so ein Interesse am Wein haben. Gut, ich seh auch keine Ribiselfelder, wenn ich aus der S-Bahn schaue. Das Interesse hier gilt ausschließlich dem eigenen Handy. Man sitzt stumm nebeneinander, das Smartphone fest in beiden Händen, Kopfhörer im Ohr. Nicht mal Kaugummi wird gekaut! 

Nach ungefähr 6 Bahnhöfen fällt das erste Wort. 

„Und ihr heit?“, fragt ein Mädel.

„Na nix. Wir besuchen a Firma und dann gemma Eis essen.“, sagt der Bub. 

Da fällt mir ein, dass ja letzte Schulwoche ist! Die schönste Woche im Schuljahr. Wo alle Noten feststehen und man sich hingebungsvoll diversen lustigen Schulschluss-Projektgruppen anschließen kann. Es gab damals in meiner eigenen Schulzeit vielfältige Kurse im Angebot, zB Volleyball, Bändertanz, Schwimmen oder was kreatives wie Malen oder plastisches Gestalten. Für die Super-Schlaubis gab es die Mathe Olympiade Gruppe oder für die Naturfreaks „Beobachtungen in der Au“. Bei historischem Interesse konnte man sich auch auf den Spuren der Römer durch die Oststeiermark begeben. Die Qual der Wahl also! 

Sofern man a) sportlich oder b) interessiert an irgendwas ist. Beides war nicht auf mich zutreffend. Weil es leider keine Projektgruppe „Vespa fahren ohne Kolbenreiber“ oder „schmink dich schön unterm Helm“ gegeben hat, hab ich das gewählt was am wenigsten nach Sport oder Anstrengung geklungen hat: „Atmen & Spüren“. 

So hab ich 3 Tage mit 4 anderen traurigen Gestalten in einem überhitzten Klassenzimmer verbracht und geatmet. Und dann dem Atem nachgespürt. 

Vielleicht wäre die Projektgruppe „kreative Hauswirtschaft“ doch besser gewesen, dann würde ich das Putzen jetzt vielleicht auch lieben. So wie die Frauen aus der Brigitte Zeitschrift. 

Wobei jetzt wo sich der kleine Eingriff nähert, ist das mit dem ruhigen Atmen vielleicht eh die bessere Kompetenz ….

Ein blinder Passagier mit Kondomen!

23 Jun

Wir haben eine neue Beifahrerin! Jedes Mal wenn das Kind und ich wohin fahren, sitzt mir die Christl („Mama das heißt Christiiiine!!!“) Stürmer im Gnack und singt tausendmal: 

„Wir fahrn im Bus nach London, wir küssen uns beim Eiffelturm, wir gondeln durch Venedig, und jetzt SAG ENDLICH DU LIEBST MICH!“

Die Rückbank singt lautstark mit inkl. Choreo, soweit dies mit der Eingeschränktheit eines Kindersitzes Stufe II möglich ist…

Soweit so gut, wenn da nicht diese äußert problematische Textzeile wäre: 

„Ob auf dem Friedhof oder im Museumsklo (!!?!?) oder im Bahnhof oder wenn du noch Kondome holen gehst.“

!!!!! CHRISTL !!!!!!! 

Liebe Frau Stürmer, ich lade Sie/dich ein, einer 6jährigen zu erklären was Kondome sind! Weil ich weiß, dass du sehr beschäftigt bist mit deinem eigenen Baby, das noch nix versteht von den Texten muss ich das Problem interimistisch selber lösen. 

Also steige ich an eben dieser Textzeile jedes Mal selber ein, lauter als der Stürmer Sturm und singe inbrünstig „Alternative Facts“ zu dieser Textzeile. 

Zum Beispiel:

„Ob auf dem Friedhof oder im Museumsklo oder im Bahnhof oder wenn du noch Mormonen holen gehst“ 

„Mamaaaa, was ist Mormonen?“ 

Ok neuer Plan!

„Ob auf dem Friedhof oder im Museumsklos oder im Bahnhof oder wenn du noch die Oma holen gehst.“

„Mamaaaaa, wo ist die Oma im Klo?“

Verdammt. Alles nicht gut. Ich nuschel jetzt immer was unverständlicheres, so wie „gogelgogel“, dafür in 10facher Stürmer Lautstärke. 

Letztens fährt der Gatte mal mit dem Auto und fragt mich danach verwundert, was ich da für ein Lied im Auto eingestellt hätte: 

„Wir fahrn ins Puff nach London?!“ 

!!!!!! 

Ich gebe auf !

Hier der Link zum Video:

https://youtu.be/1_kJLyLNNqY

Woher nur woher? 

19 Jun

Beim Frühstück im Hotel kommt die sehr nette Kellnerin, die uns beim Abendessen schon betreut hat und schaut mich nachdenklich an.
„Seit gestern überleg i scho woher i si kenn?“, sagt sie zu mir. 

Ich steige mit ein in die angestrengten Überlegungen. Woher könnten wir uns kennen?

* Aus meiner eigenen Hotelzeit, Sommer 1990, wo ich die Bettwäsche der 1-Tages-Gäste nur „aufbügeln“ sollte? 

* Aus der Bezirkszeitung? 1982 wurde ein Spielplatz in Altenberg eröffnet, ich war das Spielplatzfotokind.

* Aus der Haftanstalt? (ok, Scherz!!) 

* Auto gestoppt hab ich auch nur einmal im Leben, schwöre … 

Wir denken nach und nach und nach und da fällt es ihr ein: „von Facebook kenn i sie, jetzt was is wieder!“ 

Und tatsächlich, wir sind Facebook Freunde! 

Der Gatte schmiert sich sein Leberaufstrichbrot weiter und wundert si schon lang nimma mit mir 🙂