36 Jahre warten.

20 Apr

Manchmal bleiben so kleine Insel-Erinnerungen im Gehirn. Man weiss nicht warum. Aber die sind festgesetzt.
An die Excel Formeln, die ich gestern gelernt habe, kann ich mich heute schon nicht mehr erinnern, aber dass ich am Karfreitag 1983 um 15 Uhr am Bauernhof von meiner Oma gesessen bin und gewartet habe, das fällt mir jedes Jahr wieder ein.

Die Glocken von der Dorfkirche haben geläutet, wie jedes Jahr am Karfreitag um 15 Uhr. Ich war 9 Jahre alt und bin gesessen, auf der Wiese, am Holzstapel oder am Baum und hab rüber geschaut zum Nachbar Bauernhof. Wann dort endlich ein blauer Ford Taunus um die Ecke biegt. Mit einem Wiener Kennzeichen und meiner besten Freundin drin.

Jetzt ist meine Tochter diejenige die mit einem Wiener Kennzeichen aufs Land kommt und freudig erwartet wird.

Ich würde ihr wünschen, dass auch sie diese Erinnerungen 36 Jahre lang nicht vergessen wird…. ❤

PS: und die Excel Formeln braucht in 36 Joar eh keiner mehr …

Wenn eine fremde Frau öffnet, stimmt etwas nicht.

18 Apr

Wann merkt man, dass es soweit ist? Wenn man unten bei der Eingangstür steht und überlegt ob man jetzt bei Tür Nummer 35 wohnt oder doch nicht?
Seit 2008.
11 Jahre.
Da kann man schon mal unsicher werden was die Türnummer betrifft, oder…

Weil es war so:
Ich komm gestern abend heim und hab den Wohnungsschlüssel in der Agentur vergessen. Ruf den Gatten aus der Ubahn an, um anzukündigen dass ich in 6min daheim bin und er mir die Tür öffnen möge. Ich stoppe den Weg und erreiche bei Minute 4:59 die Wohnungstür (jo, jeder hat so seine Hobbies… meines ist stoppen….)

Als ich bei Tür 35 läute, meldet sich eine Frau mit chinesischer Stimme: „Mayer, ja bitte?“
„Oh“, sage ich, „tut mir leid. Ich wollte zu Kristek. Muss mich wohl verdrückt haben.“

Frau Mayer legt die Gegensprechanlage wieder auf und ich steh da unten und überlege jetzt ernsthaft ob ich nun bei 35 wohne oder nicht. Weil eines ist sicher: ich hab bei 35 geläutet. Mein Zeigefinger fährt nochmal den Weg ab. Geradeaus leicht rechts.
Ich trau mich aber nicht nochmal läuten, weil ich die freundliche Frau Mayer nicht nochmal rausläuten will. Stattdessen überlege ich, wo ich jetzt wegen meiner eigenen Türnummer nachschauen könnte (!!). Und ob das so anfängt. Ob ich im nächsten Monat vielleicht an einer fremden Tür in Simmering läute… oder mich fremden Männern in die Arme werfe, wer weiß…

Gscheiter wär gewesen, mich zu wundern.
Seit wann meldet sich hier jemand an der Gegensprechanlage mit dem Nachnamen und fragt noch dazu höflich „ja bitte?“.
Im Gemeindebau vis a vis verwendet keine Sau überhaupt die Gegensprechanlage. Die schreien immer nur fröhlich vom Raucher Balkon herunter, wenn sie unerwartet Besuch bekommen:
„Schleich di“ (im Fall der GIS) oder
„Schleichts eich“ (im Fall der Zeugen Jehovas)

Weil mir nix mehr einfällt, zücke ich mein Handy und grad wie ich den Gatten anrufen will knackst es wieder an der Gegensprechanlage.

„Woa eh i. Haha!“.

Ein echter Gaudimax hinter Tür Nummer 35….

Kapitänsdinner

15 Apr

Gestern Abend war Kapitänsdinner hier in unserem Londoner Luxus Ressort.Diese Tradition kennt man ja aus dem Kreuzfahrtbereich und stellt einen der Höhepunkte der Reise dar. Man wird vom Kapitän begrüßt und/oder darf sogar direkt bei ihm sitzen.Wir haben hier eine grossartige Pizzeria ums Eck. Die ist zu Fuß gut erreichbar wenn man durch eine Jack-the-Ripper Gedenkgasse geht. Sehr eng, sehr bunt und mit Pfützen unbekannten Inhalts am Boden.
Gestern war vis a vis der Pizzeria eine Schlange von rund 100 Menschen unbekannten Zieles. Die Schlange hat nicht vor einem Lokal oder zumindest einer Tür geendet, sondern einfach so. Am Gehsteig. Seltsam. Aufgrund der dunklen Leiberl und nerdigen Ausstattung, habe ich auf eine IT Convention getippt. Vielleicht sowas wie „Netzwerkrouter neu verföhnt…“ wos was i.In der Pizzeria haben sie uns dann den besten Platz gegeben. Zwischen Mehlsäcken und der Abwasch, hinten im Lager.
Unser Pizza Kapitän, Antonio hat für uns möglich gemacht, wovon jeder Marktamtsmitarbeiter in Österreich träumt. Wir durften dort sitzen, wo sonst die Pizzateige für den Abend vorbereitet werden. Mit den Füßen am Mehlkübel.
Antonio kommt aus Salerno in Süditalien und als wir völlig überraschenderweise festgestellt haben, dass unsere Länder aneinander grenzen waren wir gleich noch bessere Freunde.Den Kindern hat es auch gut gefallen, besonders der Schmetterling, der in Wahrheit eine Mehl Motte war. Aber soweit ist der Sachkunde Unterricht zum Glück no net fortgeschritten.Beim Heimgehen war dann klar, warum die Wartschlange gegenüber so lang war. Auf dem Eingang neben unserer Pizzeria haben sie ein altes besprühtes Leintuch hingehängt:“Girls Wrestling here!“Wären wir ohne Kinder gewesen, da wär ich schon drinnen gewesen und hätte mir eine Netzwerk-Technikerin zum Catchen gesucht…PS: wer irgendwann mal nach London kommt bitte gehts zum Antonio, die beste Pizza ever !!!!

Luxus Villa in London

14 Apr

**** Urlaubsgrüsse aus London ***

Das Wetter ist sehr schön und wir haben eine wirklich sehr schöne private Luxus Villa im Londoner East End. Hier zu sehen unser Entrée.

Lasst euch bitte nicht von den Bildern täuschen! Es sieht hier nur so aus, als würde eine Pressspan Platte notdürftig den Eingangsbereich zu unseren FerienTraum verschließen.
In Wahrheit verbirgt sich hier auch ein 1a Einbruchschutz, denn durch den Postschlitz kann man sich von außen jederzeit einen sehr guten und umfassenden Überblick über das Innenleben und die Bewohner verschaffen.
Oder man kann auch anonym kleine Geschenke durch den Schlitz in Empfang nehmen oder die Hände zum Abklatsch durchreichen.

PS: Sorry Leute, Eastend war eine Lüge, in Wahrheit sind wir in White Chapel. Die Gegend hier wurde vor allem durch den flotten Jakob bekannt, vulgo: Jack the Ripper.

PPS: auch unsere Reisegruppe zeigt sich sehr dankbar, was das Reisebüro Susi Sorglos wieder aus Ihrer Handy-App (Air Bnb) hübsches für uns rausgezaubert hat. Wir wollen ja schließlich the-real-London erleben und wie sich das nach dem Brexit für uns Europäer mit der Integration anfühlen wird….

Max Goldt fragt sich ob das schon altrosa ist…

12 Apr

Gestern war ich bei der Lesung von Max Goldt im WUK. Seine Geschichten sind ganz grosses Sprachkino! Er verwendet Wörter, zerlegt und analysiert sie, dass es dich daneben vor Lachen und Begeisterung selber zerlegtDa überlegt man sich dann natürlich auch entsprechend länger wie man so jemanden beim gemeinsamen Foto am Ende anspricht. Also wie ich dann endlich dran war, kommt vor lauter Aufregung folgender Satz aus mir heraus:“Herr Goldt, ganz grossartig! Ich habe mir dieses Buch von ihnen hier gekauft weil es so schön zu meiner Jacke passt.“
(Oida, was red ich da !!!!)
Herr Goldt stellt unmittelbar fest, dass es sich bei meiner Jacke wohl doch eher um einen Mantel handeln würde.“
Wir blicken beide an mir herab und nicken zustimmend.
Dann entsteht ein kurzer Dialog, um welche Art von Rosa es sich hierbei handle.
„Ob das schon altrosa sei?“, fragt mich Max Goldt.
Kurz liegt mir der Schwank auf den Lippen dass es zweifelsfrei rosa wäre und alt bin ich selber. Aber das lass ich lieber.
Ich unterdrücke auch den Drang, die Rosa Diskussion damit anzureichern, ihm meine neuen Shellak Fingernägel zu zeigen. Zartes Rosa.
Egal. I am not the freaky mother of Paris Hilton!Beim gemeinsamen Foto will er dann sehr höflich und Gentleman like nicht so groß neben mir erscheinen. Und geht etwas in die Knie. Max Goldt ist jetzt deutlich kleiner als ich.
„Herr Goldt“, sage ich, „man wird jetzt denken ich hätte einen Zwergenschriftsteller getroffen!“.
(Zur Hilfe! Was redet die Frau!!!)Später ergibt sich dann noch ein Gespräch über Wien und die Orte wo er schon aufgetreten ist und wo die Akustik gut und wo sie weniger gut war und ob es eventuell auch gerne mal andere Locations gäbe.Und da sehe ich meine organisatorische Sternstunde gekommen! Ich hole Max Goldt in mein lustiges Kultur Projekt, dass ich bei uns im ältesten Kino der Welt plane.
Und als er fragt, wer das mache, da richte ich mich auf, wir erreichen fast die selbe Höhe, und antworte: „Ich! Ich bin da die Kuratorin“.
Grossartig! Endlich was gesagt, was wahnsinnig klug und belesen klingt!Beim Heimfahren fragt mich der Gatte was zum Teufel eine Kuratorin sein soll? Ich zucke mit den rosa Mantelschultern. Ich hab das mal in einer Kultursendung auf ORF3 gehört.
Ganz genau, ähm, naja, er soll da jetzt nicht so spitzfindig sein…Vorm Einschlafen muss ich dann doch nochmal das Wort googeln. Erstes Ergebnis: Der Kurator sucht im Zoo die Tiere aus..

Ich sehe alles!!!

6 Apr

Ich geb’s zu, ich les in der U6 auch immer mit, was die Nachbarn so am Handy tun.
Der beste Platz dafür ist bei der Tür, hinter dem Glas. Da kannst denen vor dir über die Schulter schauen.Je nach Altersgruppe wird gern Candy Crush gespielt oder Insta Fotos gefiltert.
Einmal hat einer neben mir irgendwas über eine sehr hartnäckige und sehr ansteckende Geschlechtskrankheit gegoogelt. Sicherheitshalber bin ich etwas weggerückt von ihm.Aber was die liebe Tatjana gestern zufällig in der BIM mitgelesen hat, das versetzt mich wohl in grosses Entzücken !!!!! 😍

Liebt er dich mehr als ich?

4 Apr

Während ich da so neben meinem Zwerg sitze und auf den Handwerker warte, lasse ich nochmal den Auftritt heute morgen Revue passieren.

Ob ich mal in der Früh zum Aufwecken was anderes bringen könne, war die Anfrage vom Kind gestern Abend. Nicht immer nur Nana Mouskouri („Guten Morgen Sonnenschein“). Es kam der Wunsch nach dem neuen Duett von Matthias Reim und Michelle auf.

Also bin ich heute pünktlich um 6.45 in Position gegangen, hab die Tür mit dem großen Zehen aufgestoßen und bin mit ausgestrecktem Arm links und in die Hüften gestemmter Arm rechts, seitlich in das Zimmer gesprungen. Ein großartiger Auftritt wie ich finde. Dazu hab ich wunschgemäß gesungen:

„Du, bist heut‘ Abend mit ihm hier
Auch ich hab mein neues Glück bei mir
Und doch frag ich mich immer zu
Liebt er dich mehr als ich?“

Die gewünschte Wirkung hat das leider nicht entfaltet. Statt aufzustehen hat sich die Besungene die Decke noch höher über den Kopf gezogen und gerufen:
„Mama, nicht du sollst singen!!! Der Radio bitte!!!“

Vielleicht hat der Installateur gleich mehr Freude, wenn ich den Refrain singe:

„Denn sie hat dich nicht verdient, dich nicht.
Nein, sie hat dich nicht verdient, nimm mich!
Ich schenk dir das große Glück,
Aber, Baby, bitte komm zu mir zurück…“

Nun ja, es ist nicht leicht in der Show Branche Fuß zu fassen…