Heiteres Berufe raten  

22 Nov

Heiteres Berufe raten im Kinderzimmer. Kind erklärt dem Gastkind was die Eltern so arbeiten: 

„Meine Mama, also da hängen ja so Plakate mit Werbung, also sowas macht die Mama. Und manchmal da rufen immer die Kunden an und fragen ob sie in ihr Geschäft gehen kann, also heimlich, und schauen ob die dort eh nett sind.“

(Auflösung der Redaktion: Mama ist in einer Agentur für Sales Promotion und Mystery Shopping) 

„Und der Papa….“Die Augen des Kindes weiten sich dramatisch. Der Blick wird sehr ernst. 

„Also der Papa, DER macht das Fernsehen! Ohne den könntest du niiiiicht Fernsehen!!!!“

Jetzt wird auch der Blick des Gastkindes ernst und dramatisch. 

(Auflösung der Redaktion: Papa ist bei UPC)

Hineinspüren 

12 Nov

Wie gut dass ich gerade vom Achtsamkeits-Seminar komme. 

Jetzt kann ich gut hineinspüren in den Raum der sich bietet, wenn die Schüssel mit der Kuchenmasse hinunterfliegt und sich die klebrige Masse konzentrisch über die Küche ausbreitet.

Aufmerksam kann ich die Räume wahrnehmen, wie das Topf-Rondeau, wo sich der Teig nicht nur im Sinkflug niedergelassen hat, sondern auch durch den Bodenaufprall von unten nach oben geschleudert wurde. Hinein in Fugen und Ritzen, die man noch nie zuvor wahrgenommen hat. Wie ein stummer Schrei nach Liebe dürsten auch diese jetzt endlich nach der klärenden Reinigung.

Achtsam den Geruch wahrnehmen, nach Kakao und Öl mit Buttergeschmack, der sich über den Küchenboden hinweg ausbreitet. Hineinfühlen in die Fliesenfugen, dort wo die Jogginghose jetzt bei den Knien picken bleibt. 

Loslassen. 

Ohm.

Zombie Survival … 

4 Nov

Mutti war heut im Hotel Zombie Survival Workout. Weil wenn du den Tag beim Hotel Frühstück schon mit einem herrlichen Mangaliza-Grammelschmalzbrot beginnst und ein paar Käse-, Kernöl-, und Kuchenhighlights später beim cremigen Pina Colada ausklingen lässt, dann schadet das sicher nix. So ein bisserl Bewegung. Sonst kommt man noch heim und ist eins geworden. Mit sich selbst und optisch auch mit der schönen Hügellandschaft hier. Auf den Oberschenkeln. 

Zombie Workout hat da vielversprechend geklungen. Ein sehr sympathischer, unaufgeregter Kärntner Fitnesstrainer war der Chef der Zombie Bande. Kärntner strahlen immer sowas ruhiges aus finde ich, das hat mir gleich die Angst vor der Anstrengung genommen. 

Eine andere Wellness-Gästin hat das wohl auch gedacht, weil kurz bevor wir mit Schattenboxen angefangen haben ist sie noch dazu gekommen. „Is das hier das Entspannungs-Zumba??“, hat sie gefragt.

„Nein Zombie. Kein Zumba.“ 

Dann ging es los. 2 Minuten Schattenboxen. „wer will darf auch dabei hüpfen“, hat er gesagt. Natürlich will ich hüpfen! „Oh Carolina“ war jetzt zwar nicht die Hüpf Mucke des Jahres, aber Mutti ist gehüpft und mit ihr der Pferdeschwanz heftigst nach links und rechts geflogen. Ich war die Einzige die gehüpft ist. Die anderen haben nur geboxt. Nach dem zweiten Satz war mir klar warum.

Da war ich dann nämlich wieder die Einzige die in den 2 Pause Minuten zwischen den Sätzen erschlafft am Boden liegen geblieben ist. Während alle anderen sich locker entspannt und bereit für den nächsten Durchgang gemacht haben. 

Der freundliche Kärntner Drillmaster hat auch immer auf die korrekte Pausen Einhaltung geachtet. „Mia homma jetzt no zwaaaanzig Sekunden. Wer mog kann no a bissi ratschn.“

5 Sätze später, nach unzähligen Hüpfsprüngen, Liegestütz und noch so Zeug dass ich nicht mal benennen kann bin ich einfach reglos liegen geblieben. 

Irgendwann werden sie mich schon holen, der Gatte und das Kind, lang wird es eh nimma dauern, weil gleich startet die Nachmittagsjause beim Buffet…

Urlaub laut Harald Juhnke 

2 Nov

Mutter und Kind schleichen sich früh morgens zu einer Runde Yoga in den Bewegungsraum. Die Stimme der lieben Astrid auf Tonband führt uns durch die Übungen. 

„Mama, was heißt bewusst das Hier und Jetzt wahrnehmen??“ Äh, jo. Wie erklärt man das jetzt. 

„Also du bist jetzt mal in diesem Raum und denkst da jetzt dran.“ 

Schon im Aussprechen merke ich, dass mein Satz eher subopti geeignet ist, um das bewusste Wahrnehmen zu erklären. 

„Äh Mama, ich lieg da jetzt schon eine halbe Stunde rum, wieso soll ich da jetzt dran denken?“ 
Als wir wieder ins Zimmer zurückkommen, eröffnet mir der Gatte freudig sein neues Urlaubs-Mantra. 
„Kennst du die Definition von Urlaub laut Harald Juhnke?“, fragt er mich. 

„Nö“ 

„Keine Termine und leicht einen sitzen!“
Das is dann wohl auch eine Definition von bewusster Wahrnehmung … 

Ohm….

Fortsetzung der Zeitumstellung mit Leiche (Teil 2 von 2) 

29 Okt

Die Tür geht auf, der Wind spült eine kleinen fröhlichen italienischen Pensionisten herein. 

„Angeloooo!“, begrüßt ihn die Achterl-Bande, die inzwischen schon auf 5 Herren angewachsen ist. 

„Angelo, hot di da regen net gossen? Bist no immer net grössa worn!!“ 

Angelo lacht laut auf und ruft zurück: „goscheee“

Und wieder alle die Achtln hoch: „Prost“

Wenn es noch länger regnet und ich hier gefangen sitze kann ich eine neue Fernsehserie schreiben….

Zeitumstellung mit Leiche (Teil 1 von 2) 

29 Okt

Tatort Konditorei in der Wiener Vorstadt.

Während das Kind Schauspiel Generalprobe in der Waldorf Schule nebenan hat, warte ich in der Konditorei daneben. 

Braunes Holzinterieur, Spannteppich, Rolladen und Marzipan Kartoffeln in der Vitrine. Jedes von den kleinen Kaffehaus Tischerln ist besetzt. Jedes mit exakt einem Herrn im besten Pensionisten Alter. Warum sie nicht zusammen sitzen erschließt sich mir noch nicht, weil jedes Mal wenn die Tür aufgeht und der Sturm von draußen einen neuen Herren hereinweht, wird er von allen recht freundlich begrüßt. „Grüß Sie Gott, Herr Heinz!“ 

Sie kennen sich alle, aber man sitzt doch lieber allein am Tischerl und redet über die Tische hinweg miteinander. 

„Herr Franz, nächste Woche dürfen’s nicht her kommen, da sind Dreharbeiten hier im Café!“

„Wos drehn’s denn?“, fragt der Herr Franz.

„Schnell ermittelt! Owa do dürfen nur scheene Leit kumma!“ 

Dann mischt sich auch der Herr Kurt hinein, der gleich beim Eingang sitzt und mit seinem weißen Achterl fast hinterm Garderobenständer verschwindet. „Schurli“, sagt er zum Herrn mit dem Stiegl Bier, „du kannst kommen, weil die suachn eh no a Leich!“ 

Ich bin die einzige Frau im Lokal. Wo die Gattinnen verblieben sind trau ich mich nicht fragen. Dann geht wieder die Tür auf und eine jüngere Frau um die 35 kommt herein. Mit ihrer schicken teuren Moncler Daunenjacke steuert sie die Budl an.

„Haben Sie einen Wodka?“, fragt sie und schlagartig verstummen der Herr Heinz, der Herr Franz und der Herr Kurt. 

„Wir haben leider keinen Wodka“, antwortet die freundliche Konditorei Mitarbeiterin.

„Vielleicht einen Tequilla?“, fragt die Daunenjacken-Frau weiter, „ich brauch es nur wegen der Nerven.“ 

Die Herren und ich beobachten interessiert wie die Spitzenschürzen Mitarbeiterin eifrig aber leider erfolglos in jede Lade schaut.  Der Chef des Hauses wird zu Rate gezogen. „An Marüllenen hätt ma“, sagt er. 

„Normalerweise nicht so früh,“ murmelt die Dame vor sich hin, „aber die Nerven und die Zeitumstellung…“ 

Sie nimmt das randvolle Schnapsglas und trinkt es auf Ex. 

Abgang. 

Als sie draußen ist, schauen sich die Herren ratlos an. 

„Jo die Zeitumstellung!“, unterbricht der Herr Franz das Schweigen und hebt sein Achterl.

„Prost! Auf die Leich!“

Geisterbahn 

20 Okt

Die letzten Meter will sie immer schon allein gehen. Dann steh ich da und winke nach und sehe wie die große Schultasche nach links und rechts wackelt, weil sie so schnell zu laufen beginnt, vor lauter Vorfreude. 

„Was magst du eigentlich am liebsten in der Schule?“, hab ich gestern gefragt. 

„Deutsch, Schreiben und Lesen!“, hat sie geantwortet. 

„Und die Pausen? Sind die nicht auch ur super?“

„Jo die sind auch ok.“ 

„Was machst du denn in der Pause? Rumrennen?, Fußball spielen?, Jausnen?, Blödsinn machen?“

„Nein Mama, am liebsten schau ich mir an was ich geschrieben habe und ob ich da noch wo Fehler finde.“ 

An dieser Stelle ein ❤ für alle Lehrer, die so eine Begeisterung hervorrufen können!!! Möge das noch lange anhalten !!!! 

PS: Von mir hat sie das nicht, weil ich hab in der Volksschule die anderen Kinder in den Kasten gesperrt und Geisterbahn gespielt… 👻