Tag 67: professionelle Hilfe für Süchtige…

Hab ich schon erwähnt dass ich stricksüchtig bin? In der früh im 51a (ich nenn den Bus auch „Zombie Linie“ oder „Apothekenexpress“) am Weg in die Arbeit lern ich zwar viel über „Substi“ und „Metha“, aber gegen die Stricksucht, da hab ich noch nix augeschnappt.

Gestern abend hab ich mir professionelle Hilfe gesucht. Beim „Handarbeitsabend“  im benachbarten Handarbeitsgeschäft. Die Einladung klang schon vielversprechend „Kommen Sie einfach vorbei und lernen Sie die nette Runde kennen“.  Na bitte! Bin schon da!

Bild Strickverein Sissach

Ich wurde sehr überrascht (ich glaub da kam schon lang niemand mehr neuer dazu) aber sehr freundlich und offen empfangen. An dem runden Damentisch saß die geballte Handarbeitserfahrung. Es wurden Weihnachtsdecken gestickt, Osterkarten gebastelt, Ketten aufgefädelt, Bommel gehäckelt und Socken gestrickt. Und ich hab echt viel gelernt an einem Abend, nicht nur wie man eine Kurve ins Oberteil fürs Weibilein strickt und richtig ab- und zunimmt (wobei zunehmen konnte ich vorher auch schon ganz gut…).  Ich hab auch viel gelernt über Rindsrolladen, Strudeln, Fußpflege bei Diabetes und Männer die daheim warten und „sich mal anschauen werden wenn´s allein daheim sind“ (?!)

Ich hab auch gelernt warum  man sich im fortgeschrittenen Alter keinen Mann mehr suchen soll und dass die Nachbarin von der einen Dame ein Verhältnis mit einem  deutlichen jüngeren Mann (50 Jahre) angefangen hat. Die Frau Hilde hat wiederum erklärt, sie würde täglich von 13 Uhr bis zum Sonnenuntergang Handarbeiten seit sie in Pension sei. Weil Vormittag ist Hausarbeit und Nachmittag ist Handarbeit. Hola die Waldfee. Das nenn ich fleissig!

Richtig spannend wurden dann die Erzählungen einer Dame, die das Mundwerk meiner lieben Schwiegermutter hatte. In ihrer Jugend mit 25, da hätte sie ein unmoralisches Angebot von einem damals 80jährigen erhalten. Der Mann war sehr reich und hatte ein großes Haus, ein tolles Grundstück und eine K&K Lizenz. Wissendes Raunen ging durch die Runde. Ooohh. Die K&K Lizenz, hat man mich dann aufgeklärt, hat nämlich zum Eröffnen eines Geschäftes jedweder Art berechtigt. Quasi ein Universalgewerbeschein. Offensichtlich sowas wie eine Goldgrube damals. Also dieser Herr mit der Lizenz hat meiner Handarbeitskollegin damals angeboten, sie möge doch Mann und 3 kleine Kinder verlassen und zu ihm überlaufen. Es wäre doch in seinem Alter ein Ende abzusehen und danach könne sie das schöne Haus und den Grund… sie müsse ihn bloss ein bissi „wuzeln“… (?!?!) Großeres Kichern in der Runde. Ich hab fast eine Masche fallen lassen.

Soviel dann wohl zum Thema Handarbeit.

Da wurde sogar ich rot und hab gleich ein größeres Schluckerl vom Litschisekt (gespendet von einer anderen Dame) trinken müssen.

Fazit: ich habe die Kurve hingekriegt und wieder viel gelernt….