Tag 122: warum ich mit dem Leintuch am Waldrand stand

1 Apr

Ostern wird in der Steiermark noch gross inszeniert. Da gibt es Fleischweihe, Weichfeiertroga (?! wie schreibt man das?), großes Osteressen und am Samstag Abend gibt es Osterfeuer.  Das praktische am Osterfeuer ist, das man allerhand Klumpert in großem Stil verbrennen kann. Das erspart so manchen Weg zur Deponie und mit ein bissi Benzin is das auch ganz schnell erledigt. Wobei sie da auch strenger geworden sind, die Behörden, also nix mehr mit Autoreifen verbrennen und FCKW Spraydosen ins Feuer, auch wenn die in meiner Kindheit immer so lustig geknallt haben..

Ein anderer Brauch in meinem Dorf findet auch nicht mehr statt: das Traktorrennen am Ostermontag. War das am End mein Verdienst dass das nimma stattfindet? Ich habs noch nie wem erzählt, aber heut is es 20 Jahre her, ich oute mich:

Ostermontag 1993, ich in spätpubertärer vegetarischer Öko-Rebellionsphase. Mission: Rettung der Welt. Start: 800 Einwohner Dorf Schölbing. Meine Mitstreiter: keine 😦  Meine Gegner: die restlichen 799 Bewohner. Meine Botschaft: „Schluss mit dem Traktorrennen“

Also das war so. Ich fand das voll deppat, dass die mit schwerbeladenen Traktoren vollgas den Hügel raufgefahren sind.. Laut, stinkad und dreckig, den ganzen Ostermontag lang. Ich beschloss also etwas zu tun. So wie die coolen Aubesetzer aus dem Fernsehen (wer erinnert sich noch an Günther, die Augenbraue, Nenning im Vogelkostüm?) oder die AKW Zwentendorf Gegner. Das waren meine Helden!

Gesagt getan: mein Bettleintuch wurde zum Transparent. Die Botschaft weiß ich nimma, wohl aus Scham vergessen. Es war irgendwas so ähnlich wie „vielen dank für die sonntagsgaude….“
Leider war die Unterstützung meiner Aktion aus den eigenen Reihen überschaubar. Also konnte ich das Leintuch auch nicht wie geplant vom Balkon unseres Hauses hängen lassen.

Aber ein echter Guerilla Kämpfer ist nicht aufzuhalten, also hab ich Ausschau nach alternativen Präsentationsmöglichkeiten gehalten. Die hab ich dann am Waldrand vis a vis auch gefunden. Sehr gut sichtbar von der gesamten „Rennstrecke“ hab ich mein Transparent zwischen den Bäumen montiert. Ich selbst war gut getarnt mit einem hochgezogenen Rollkragenpulli. Ungefähr 5min lang.

Susanne, wos tuast du do?
Dann hat mir mein Nachbar von der Rennstrecke aus zugerufen „Susanne, wos tuast du do??“. Ui, so gut war die Tarnung wohl doch nicht.
Dann kam auch noch der waldbesitzende Bauer daher geschurlt und hat sich auch nicht grad als Supporting Act meiner Aktion herausgestellt.
Da blieb nur mehr der Rückzug… und eine kurze Diskussion mit den Veranstaltungsveranstaltern. Diskussion ist vielleicht auch zuviel gesagt, das war eher eine einseitige Besprechung, denn sie haben mir eigentlich nur den Vogel gezeigt.

Also bin ich erhobenen Hauptes wieder heim mit meinem Leintuch.

Heut am Ostermontag gibt es kein Traktorrennen mehr dort. So ändern sich die Zeiten. Und ich fahr mit meinem SuV wieder zurück nach Wien. Oid sans worden die Protestler aus den 90ern….

Eine Antwort to “Tag 122: warum ich mit dem Leintuch am Waldrand stand”

  1. Michael April 3, 2013 um 6:44 pm #

    Alt aber mit Prinzipien 😉

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