Ein Wickel in der Joggingcity…

4 Jan

Ich glaub ja, dass es zwei Kategorien an Frauen (Männer vermutlich auch??) gibt: Jene, bei denen du Tag und Nacht anläuten kannst, und die immer ausschauen wie aus dem Ei gepellt. Und jene, naja, wo man sich lieber vorher ankündigen sollte, oder bei unangekündigten Besuchen zumindest nach dem Ausweis fragen sollte um die Identität zu klär…  na wurscht.

Also ich gebs zu. Ich bin die Kategorie 2 Frau. Und ich bin schnell in der Verwandlung. Von Jeans in Jogginghose in unter 5 Sekunden. Locker! Dem wichtigsten Kleidungsstück der Kategorie 2 Menschen. Zu Silvester hab ich allerdings ein bissi Kritik von meinen besten Freunden an meiner Jogginghose bekommen. Das kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und daher bin ich heute in die SCS – vulgo Jogging City Süd – auf der Suche nach der perfekten Jogginghose. Kein Glanz. Nicht zu eng. Nicht zu weit. Nicht zu lang. Nicht zu kurz. Nicht zu dick und nicht zu dünn. Nicht fusselig. Und auf gar keinen Fall ein zu enger Gummibund. Am besten auch kein Schnürbandl, das unterm Leiberl wegsteht als hätte man einen Nabelbruch. Nicht zu knallig in der Farbe (fällt zu sehr auf am Weg zum Hofer) und auch nicht schwarz (schaut dann immer gleich grau aus) und auch nicht grau. Weil so halt.

Ich schwöre dir, die halbe SCS is voll mit Leuten in Jogginghosen ! (Also die is überhaupt voll mit Leuten, offensichtlich haben die alle zu Weihnachten wirklich nix gekriegt.) Aber meinst, es gäbe eine einzige Jogginghose zu kaufen, die für mich in Frage kommen würde? Im amerikanischen verdunkelten Surferparadies Geschäft gabs zwar recht viel Auswahl, aber eine Frau auf der Suche nach XXL Joggern hat den engen Gang zu den Jogginghosen schlichtweg verstopft, kein Näherkommen möglich. Die Bude gehört ja dem Typen, der letztes Jahr öffentlich gemeint hat, dass seine Fetzen ausschließlich für schlanke Menschen gedacht seien. (!!!) Ob die deswegen die Gänge so eng gemacht haben? Solchen Menschen is alles zuzutrauen. Die Hosen, die dort halbwegs so ausgeschaut haben, also könnte ich sie weiter als bis zum Knie raufkriegen waren übrigens alle in „L“. Large. L A R G E !!!

Vor lauter Frust bin ich gleich direkt vom Figur-Rassisten-Geschäft zum Ikea Restaurant. (Apropo: kommt das nur mir so vor oder sind die Hauptspeisen Teller dort sehr klein??) Da warma natürlich ganz allein mit der Idee, am Samstag mittag…

Auf jeden Fall, während wir grad Schööööötbullar essen, das Kind auch brav und artig mit Besteck und so, da hör ich plötzlich einen lauten Rülpser vom Nebentisch!!! Zuerst hab ich das ja nicht für möglich gehalten. Hab gedacht vielleicht hams ein Problem mit der Sprechanlage beim Ikea oder was weiß ich. Aber nein, das war tatsächlich ein völlig absichtlicher und äußerst lauter Rülpser! Sitzt am Nebentisch eine Familie in Jogginghosen und der Jogginghosen-Vater rülpst einfach! So eine Sau! Noch dazu neben dem ca. 10jährigen Sohn. Mein abschätziger Blick war dem Herrn auch völlig powidl.

Später muss mein Kind aufs Klo. Ich stell mich beim Behinderten Klo (darf man das noch sagen??? oder is das politisch unkorrekt?? wie sonst??) an. Weil mit Kind hast auf dem normalen Klo, vor allem mit Winterjacken und Zeug einfach zu wenig Platz. Das Kind macht schon fast in die Hose, weil der Mensch vor uns auf dem Behinderten Klo so lang braucht. Ich behalt die Nerven, denk mir, jo mei, da woll ma jetzt wirklich nicht ungehalten sein. Stell mir grad vor wie schwierig das ohnehin sein muss. Also da braucht man nicht deppat an der Tür klopfen und hektisch werden.

Geht die Tür auf und der Rülpser-Prolet geht raus !! G e h t wohlgemerkt. Also kein Rollstuhl. Und bis auf seine Manieren auch keine offensichtliche Behinderung. Und drinnen im Behinderten Klo riecht es ganz verdächtig nach Tschick! Da brauchst dann auch kein Sherlock Holmes mehr sein, wenn in der Klomuschel die Tschick noch drinnen liegt dann is eines klar: der hat dort drin geraucht ! Da hast fast keine Luft mehr gekriegt!!

Als ich zurück zum Tisch komm und vom Gatten gefragt werde warum sowohl das Kind als auch ich so nach Rauch stinken, da wars mir dann zuviel. Da hab ich ihn zur Rede gestellt, den feinen Herrn Tischbar. Meine Einwände von wegen unfaires Verhalten, kein Abzug im Behindertenklo, es gäbe doch Raucherecken draussen vor der Joggingcity… das war ihm alles wurscht. Da kam kein „danke, dass is ur lieb, dass sie mich da drauf aufmerksam machen“. Er hat mich nur nur angeschaut wie einen Autobus und hat teilnahmslos mit den Schultern gezuckt bei meinem pädagogischen Vortrag. Da hab ich auch die Continuance verloren, er solle sich was schämen, vor einem Kind sich so grauslich zu verhalten! Die Frau hat eingeschüchtert weggeschaut. Und der Sohn hat sich offensichtlich für den Vater geniert… armes Kind!!

Vielleicht überdenke ich mein Jogginghosen Projekt doch nochmal….

Eine Antwort to “Ein Wickel in der Joggingcity…”

  1. Stiefel Januar 4, 2014 um 9:55 pm #

    Behinderten WC = barrierefreie Toilette

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