Warum ich mitten in der Nacht ins Berliner Hotel geflüchtet bin….

Wenn man um 22.30 bei Regen und Sturm in Berlin auf der verzweifelten  Suche nach einem Hotel ist, dann kann man möglicherweise das Air BnB Versuchsprojekt für gescheitert betrachten…

 Aber alles der Reihe nach:
Gestern 6 Uhr früh bin zum Zwecke der Fortsetzung eines quasi internationalen Tattoo Projektes nach Berlin geflogen. Das Tattoo Ding is eine eigene Gschicht, die müss ma mal gesondert besprechen.
Am Vormittag gabs Touri Programm im Schnelldurchlauf: Prenzlauer Berg, Bobojungfamilienhippsterghetto. Ich hab bärtige Männer gesehen, die sich auf Handtaschengrösse faltbare Kinderwägen umgeschultert hatten und wiederum andere bärtige Männer die „alles Klärchen“ (?!) ins Telefon geflötet haben. Ich hab Männer mit Haarschnitten gesehen, die schon scharf an der Grenze zur Wiederbetätigung schrammen und wiederum andere Männer die im Rudel und völlig kommunikationslos in ihre Apple Notebooks starrten und wichtige Konzepte zur Rettung der Welt verfasst haben, wie zB mein Tischnachbar mit dem Konzept „Selfie Stick 2.0“. (Ja, ich hab geschaut…)
berlin
Die Frauen waren hingegen unauffällig uniformiert. Enge Jeans, Sneakers mit dicken weißen Sohlen, Haarknödel am Schädel. Keine Milchkuh zu sehen, wie im Buch „Lassen Sie mich durch ich bin Mutter“ beschrieben.
Ich hab auch die Plätze gesehen, wie in dem Buch beschrieben, wo in den 80ern die Punks hausten. Heute ist das ein Abenteuerspielplatz, wo den Hippstergschroppn lebensnotwendige Fähigkeiten in Kursen wie „Filzen“, „Schmieden“, oder „Musik machen“ (!? Wos genau?) beigebracht wird.
Vielleicht wärs für mich auch gescheiter gewesen ich hätte mich auf dem Abenteuerspielplatz nach einem adäquaten Mütterkurs umgeschaut, anstatt dem Air BnB Abenteuer. „Vollmondatmen“ vielleicht oder „sprechen-wir-mit-unserer-kaiserschnittnarbe“….
Aber nein, nach der lustigen Amsterdam Erfahrung musste ich es ja nochmal probieren, dachte dass is super bei den Berlinern wohnen. So mitten bei den Hippstern. In der coolen Musiker WG wie im Air BnB Inserat beschrieben. Mit Klavier! Stichwort Abenteuerspielplatzkurs „es-ist-nie-zu-spät-schlagerstar-zu-werden“.
Statt dessen war mir nach 5 Minuten in der Wohnung klar, dass es auch um 22.30 sicher nicht zu spät ist, in ein normales Hotel zu flüchten. Warum genau, kann ich jetzt gar nicht so sagen. Der Wellness- und Wohlfühl Faktor wollte sich einfach nicht so recht einstellen. Aber seht selbst:
Der Vermieter war eh nett und freundlich, auch die andre Frau die hinter dieser einladenden Tür gewohnt hat:
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 Die erhofften touristischen Tipps hingen in Form einer XL Landkarte groß an der Wand. Ob mir die Karte vom Sudan in Berlin allerdings sehr nützlich gewesen wäre?
Und ob mich dieses Klavier samt Boyband darauf zur großen Schlagerkarriere inspiriert hätte, sei auch in Frage gestellt….
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 Fazit: irgendwann kam das gleiche Gefühl auf wie 1984 im Jungscharlager. Als die Eva und ich uns in der Nacht rausgeschlichen haben, um die andren zu erschrecken. Bis sie uns dann unabsichtlich rausgesperrt haben, und die einzigen die sich vor Angst im finsteren Wald fast … na lass ma das lieber.
Genauso erschreckt wie damals, hab ich mich dezent wieder verzupft aus dem 1000undeine Nacht Paradies.
Jetzt find mal bei Sturm und Regen mitten in der Nacht ein alternatives Hotel! „Ganz Berlin ausgebucht“, hat der Mann im ersten Ibis Hotel gesagt. Aber ob meiner erschreckten, durchnässten, zerstochenen (Stichwort Tattoo) und mitleiderregenden Erscheinung war er dann so lieb und hat ein freies Zimmer in einem andren Ibis für mich gefunden. Mein Berliner Held des Tages!
 Ende gut. Alles gut. Und das nächste Mal mach ich altersentsprechende Reiseabenteuer, ich schwöre. Eine Kreuzfahrt mit Bingo Abend oder eine Heizdeckenfahrt nach Znaim mit all-you-can-eat-Zwischenstopp beim Exkalibur Ronnie… Oder so halt.