wie und warum ich hier zur Russin werde…

13 Jun

Der Gatte hat mir zu Weihnachten ein Wochenende in St. Petersburg geschenkt. Da sind wir nun.

Ich hab ja schon mal erzählt, dass ich in Wien oft auf Polnisch oder russisch angesprochen werde. So auch hier in Russland selber. Bislang hab ich das immer als Kompliment gesehen und dabei an diese  modelmäßigen Oligarchen Schlampen gedacht. Oder an Lara und Tonya aus Dr. Schiwago. Die Realität is… Najo. Anders.

Dass vielleicht eine russische Seele in mir schlägt, das hab ich höchst erfreut  bei der Landung im Flugzeug schon festgestellt. Diesmal war nämlich nicht ich die Erste (und meist Einzige), die freudig dem Piloten applaudiert, während der Gatte neben mir defacto im Sessel verschwindet, um sich unsichtbar zu machen. Njet! Das halbe Flugzeug hat vor Freude bei der Landung in die Hände geschlagen !!! Schön, oder?  

Ich hab mich auch versucht gut vorzubereiten, um landestypische Fettnäpfchen zu vermeiden. Sprachlich bin ich nicht sehr weit gekommen. Ich hab zwar versucht den Satz „Bitte sprechen sie langsam, ich verstehe sie nicht“ auf Russisch auswendig zu lernen. Nicht gelungen. Gestern hat mich eine Frau an der Ubahn angesprochen. Und wild hinter mich gefuchtelt. Ich versuche meinen gelernten Satz anzubringen, da seh ich erst die Maiglöckerl in dem Becher hinter mir. Sie hat mich für eine Bettlerin gehalten, die Maiglöckerl vercheckt!!! 

Empört hab ich beschlossen mich optisch noch stärker anzupassen. Mehr Schmincke. Mehr Rouge. Mehr alles. Rote Fingernägel müssen noch her! Hab den Gatten sofort auf ein Bier geschickt und bin in ein russisches Nagelstudio. Ich hab noch nie wem so langsam und genau die  Nägel machen sehen!!!  2 Stunden (!!!) später hatte ich feuerrote Nägel. Der  einzige Satz den ich in diesen zwei Stunden von der Dame verstanden hab war, als sie mit hochgezogener Augenbraue auf das Lackflascherl getippt und anerkennend „Red! Wild red!“ gesagt hat. Der Gatte hatte inzwischen schon einen Damenspitz.  

Das Land des Lächelns is das da auch nicht gerade, weil alle eigentlich immer ernst schauen. Ich hab nachgelesen, dass das in der Öffentlichkeit so gemacht wird. Wenig Gefühle und lächeln is nur für den Hausgebrauch. Also den privaten Rahmen. Weil man macht sich ja quasi nicht öffentlich zum Narren oder so irgendwie hab ich das verstanden. Wie gut, dass ich nicht die vollständige Methamorphose auf russische Frau durchgezogen habe und die Zornesfalte nicht Knabl-behandeln hab lassen… So kann auch ich noch böse schauen. 

Im Hotel bin ich aber schon mal irrsinnig gut angepasst. Zumindest farblich: 

  
So ich muss jetzt zum Frühstück. Blinys essen.  Und dabei muss ich immer an die Klitschkos denken wie der eine zum Andren sagt:  „Frrrüher hast du immerrrr Blinys furrr mich gemacht“

Ich würd mich gern jetzt auf Russisch verabschieden, aber mir fällt immer nur „dobre vece, es ….“  Das kommt vom vielen Fernsehen, da fallen einem dann die falschen Zitate aus „Braunschlag“ ein.

Eine Antwort to “wie und warum ich hier zur Russin werde…”

  1. Babsf Juni 14, 2015 um 12:54 pm #

    Das hab ich schon als kind im fernsehen von lisa schüller gelernt: do svidaniya!
    😉

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