Bis zum Himmel….

20 Jun

An sich ist so ein Elternsprechtag mit der Religionslehrerin kein Grund für einen Nervenzusammenbruch. Ausser man ist auf Schlafentzug.
Da sitzt das Kind ganz stolz und kerzengerade auf dem kleinen Schulsessel und präsentiert anhand vom Reli-Heft, was es in dem Jahr alles gemacht hat. Das Drama beginnt schon auf Seite 1.

Eine braune Kiste ist hier gemalt zu sehen. „In dieser Schatzkiste ging es um den wichtigsten Menschen auf der Welt“, erklärt die Lehrerin. „Weißt du noch was das besondere an der Kiste war?“.

Ganz leise und schüchtern antwortet das Kind: „Ja, ein Spiegel war da drin.“
Ich ahne schon wohin die Reise führt, spüre auch schon den Hochwasserpegel sanft ansteigen. Versuche mich noch abzulenken und schaue statt dem stolzen Kind den stolzen Vater an. FEHLER! Der is nämlich die noch ärgere Lusche als ich. Genau als das Kind von dem Spiegel erzählt und sagt: „Ich bin der besonderste Mensch“, gefolgt von „jeder ist der besonderste Mensch“, da seh ich es schon nass bergab laufen am Gatten Gesicht…

Statt dass ich mich zusammengerissen hätte und an stinkende Socken oder so gedacht hätte, um das unvermeidliche zu vermeiden, habe ich an das Buch denken müssen. „Bis zum Himmel und zurück“ von Catharina Junk. Der Grund warum ich seit drei Nächten nicht mehr schlafe. Hier geht es auch um eine Tochter. Und um einen Vater und warum der weg ist. Und eine Mutter, die auch irgendwie weg ist. Es geht um eine Tragödie die lange nachklingt. Die Tochter ist jetzt Drehbuchautorin und soll eine neue Familienserie schreiben. Was schwer geht, wenn plötzlich eine kleine Halbschwester im Anna & Elsa Leiberl auftaucht und alles durcheinander bringt.

Das Buch ist das BESTE was ich in dem Jahr gelesen habe. (Und wir haben schon bald Halbzeit!) Ich liebe ja Tragikomödien, das is auch eine, aber auf sensationellem Niveau. Gleichzeitig sind die Passagen über das Leben als Drehbuchautorin und ihre seltsame moderne Nicht-Beziehung das Lustigste seit langem!

Das Buch ist mit so einer Leichtigkeit in der Sprache, aber so einem Tiefgang geschrieben, dass ich immer wieder Seiten doppelt und dreifach lesen muss. Weil sie so schön sind. Und das die ganze Nacht lang…

Als wir in der Religions-Nachbesprechung im November beim heiligen Martin angekommen sind, hab ich mich dann halbwegs wieder beruhigt und bei der Auferstehung zu Ostern war ich wieder im Normalmodus hergestellt.

So, jetzt muss ich aber wieder weiterlesen. Also kauft euch das Buch es ist sensationell! Und danke an Petra Hartlieb von der Buchhandlung Hartliebs Bücher für den Tipp. Ich bin so ein Umschlagmensch und hätte aufgrund vom Cover nicht gleich als Erstes zu dem Buch gegriffen, weil ich eine romantische Liebesgeschichte vermutet hätte. Aber es heisst ja „don’t judge a book by its cover“.
Oft steckt der wahre Schatz, das Besonderste, ja erst innen drin im Kisterl….

Viel Spass beim Lesen!!!

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