In den Fängen der sächsischen Taxibande.

D’muddi isch gut in Leipzig angekommen. Trotz Miniatur Flieger. Der Flughafen ist auch recht überschaubar. Die drei Stufen runter aus dem Flugzeug und da bist.

Der freundliche Taxler vom Flughafen ins Hotel wollte auch gleich für gute Stimmung sorgen: „Schaunse mol de schöne Mond hoidde“. Hab erst bei der dritten Wiederholung alles verstanden. Ich liebe den Dialekt hier.
Klingt alles so wie bei der Maschendrahtzaun-Frau vom Stefan Raab damals oder beim Sachsen Paule. Und hier endet auch bereits mein Wissen über Sachsen und seine Berühmtheiten. Beschämend.

Mit der Liebe zum Dialekt war es aber gleich auch wieder vorbei, als ich links vom schönen blutroten Mond die hellroten Zahlen am Taxometer gesehen habe! 20 Euro (!!!) und wir haben gefühlt das Flughafengelände noch kaum verlassen !!!!! Im Sekundentempo kamen weitere 10 Cent dazu. Sprich: alle 6 Sekunden 1 Euro !!!!! Zur Hilfe! Ich bin einer sächsischen Taxibande aufgesessen!

Als Jugendliche bin ich in Budapest bei einer roten Ampel mal wegen sowas rausgesprungen aus den Taxi. Bin weggelaufen und habe Schutz und Zuflucht im nächsten Lokal gesucht. Das waren die einzigen 5 Minuten meines Lebens in einem ungarischen Bordell…

Flucht war allerdings auf der Leipziger Stadtautobahn nicht zwingend die erste Option. Beim Taxometerstand von 39 Euro habe ich vorsichtig angefragt, wie weit es noch sei. Man will ja nicht als Superschnorrer gelten. Weil ich so aufgeregt hin und hergerutscht bin, um den Taxometerstand im Blick zu behalten, hat er eh geglaubt ich muss aufs Klo.
„Do äuf da reschdn Seide isses gleisch“.

Ob das alles so teuer hier sei wollte ich dann wissen. „Leipzisch isch das Münschen des Osdens“, hat er mir dann erklärt gefolgt von einer sehr interessanten Touristen-Blitz-Info.
200.000 Mönschen seien abgehauen nach der Wende. In Westen rüber. Wie immer fällt mir in unpassenden Momenten, unpassende Musik ein. Ich summe das Lied von Stefan Raab „Maschndrodzaun in the morning… maschndrodzaun late at night…“

Seine Dande und der Ongl sind auch abgehaun. Samt dem Hund von da Dande. Und jetzt komm se alle wieder zurück. Und darum wird alles immer teurer im München des Ostens. Nur die Dande und der Ongl, die sind in Freiburg geblieben. Der Hund ist gestorben.

Fußball Fan sei er, der Taxler. Von Leipzig. Ich heuchle Fussball Wissen und rufe laut von der Ersatzbank hinten „Red Bull Leipzig! Kenn isch! Gehört quasi uns!“
Fan-Elastizität nennt man das. Wenn man plötzlich zum Salzburg Auskenner wird.
„Wissn se wos des heißd bei uns, des RB Leipzisch?“, fragt er mich.
Nö.
„Rasn Ballet Leipzisch! Hahaaaaa“.

Bei dem flottn Spruch erreicht das Taxometer 52 Euro. Ich kann nimma lachen.

Das erste was ich mit meinem Wlan Code im Hotelzimmer mache, ist mir die App der Leipziger Verkehrsbetriebe downloaden….

Aber dafür bekommt man beim Taxifahren die besten Geschichten serviert. Is ja auch was. Mal schauen ob die Buchmesse da morgen mithalten kann…

❤ München des Ostens.