Loslassen!

„Hilfe, sie will ein Ferienlager in der DDR machen!!!“, hab ich mit zusammengeschlagenen Händen dem Gatten im Jänner verkündet.
Unklar ob man DDR überhaupt noch sagen darf, aber in der ersten Panik….

Wir waren auf Urlaub und sie hat eine Freundin aus Ostdeutschland kennengelernt. Und bei so Urlaubsfreundschaften, da kommt man schnell auf lustige Ideen. Besonders in unserer Familie ist das brandgefährlich. Die Gattenfamilie war Ende der 70er am schwarzen Meer in Rumänien und hat sozusagen als Urlaubssouvenir eine Deutsche mitgebracht. Sie war damals 15 Jahre alt und hat ein Jahr später sogar das Heimatland verlassen und ist direkt in die Gattenfamilie nach Wien hinein übersiedelt. Einer mehr war auch schon egal im Gemeindebau. Selbst wenn es eine Deutsche war. Die waren da offen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Später ham sie dann auch noch einen Italiener integriert. Aufgelesen im Urlaub in Gran Canaria und dann von seiner damaligen Heimat in Norddeutschland nach Wien importiert. Mit dem Zug und seiner alten Nähmaschine.

Also da will man sich dann natürlich auch nicht verschlossen zeigen, wenn das Kind in Sachsen auf ein Ferienlager möchte. Auch wenn man bisher über Sachsen nicht viel mehr wusste, als das „Maschendrahtzaun-Lied“ vom Stefan Raab hergab. Aber wir sind Europa. Nieder mit den Maschendrahtzäunen und hinein ins Abenteuer Nachbarschaft!

Heute haben wir sie dort abgegeben. Lauter aufgeweckte, herzige, fröhliche Kinder waren dort. Ein bissi hat sich das angefühlt wie die TV-Serien meiner Kindheit. Wo sie Abenteuer in Norddeutschen Pferdehöfen erlebt haben, während ich am oststeirischen Bauernhof Minimais geschält und dabei von der Ferne geträumt habe…

Tapfer und aufgeregt ist sie unter den Kindern gestanden heute. „Mama, ich weiss nicht, ob die mich verstehen?“, hat sie zum Abschied gesagt.
Und als die Eltern dann fahren durften und die Kinder im Zelt die ersten Infos bekamen, bin ich heimlich hinterm Zelt gestanden und hab gelauscht ob Übersetzung nötig wäre…

So funktioniert das mit dem Loslassen. Äh. Fast.
Bin da aber dann eh weg, und wünsche ihr jetzt ganz viele Abenteuer und neue Eindrücke und von mir aus auch neue Wörter.

Immerhin hat mir so eine Länderübergreifende Offenheit die beste aller Schwägerinnen beschert…. auch wenn die inzwischen schon klingt wie eine Wienerin….

Ein Gedanke zu “Loslassen!

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