Urlaub auf der gefährlichsten Strasse Deutschlands

Im Urlaub mach ich ja gern Triathlon: gehen, schauen und essen. Da erlebst du die Städte immer hautnah, wenn du alles ablatscht. Der Schrittzähler am Handy dreht dabei fast durch im Urlaubsmodus.
Dazwischen sucht man sich dann Tipps zum Essen raus, die man als Ziel ansteuert.

In der Leipziger Eisenbahnstrasse hat es geheißen, gibt es eine umgebaute alte Apotheke, da is jetzt eine Bar drinnen und ein Buchgeschäft. Beste Kombi für mich! Also: Ziel! Los! Hin!
Außerdem „Eisenbahnstrasse“. Allein wie lieb das klingt. Nach Modelleisenbahn und putzigen Zügen.
„Putzig“ wär jetzt nicht zwingend das Attribut, dass einem dann dort als erstes einfällt. Die Häuser eher noch etwas abgerockt, aber überall sehr coole Street Art Fotomotive.
Auch wenn der Gatte gemeint hat, ich soll mein Handy weg tun. Brauch es ja schließlich, um meinen Schrittzähler in Beobachtung zu haben.

Die Eisenbahnstrasse ist ein bissi wie unsere Ottakringer Strasse daheim. Der Gatte hat irgendwo rausgelesen, dass die Strasse vor der Wende mal eine schöne Geschäfts- und Flaniermeile war. Geschäfte gibt es immer noch, vorwiegend halt Sisha Bars und so Wettlokale. Und flaniert wird auch noch gern. Zumindest waren die Gehsteige gut bevölkert. Touristen waren ausser uns sonst keine zu sehen. Es dürfte sich also eher noch um einen Geheimtipp handeln!

Bei der Apotheken-Buch-Bar, die jetzt nur mehr eine Apotheken-Bar ist, weil sich das mit den Büchern wohl nicht so ausgezahlt hat, haben wir dann eine wohlverdiente Rast eingelegt.

Vor lauter Fußmarsch in Kombination mit einem Gläschen Rotkäppchen Sekt bin ich auch gleich in ein kurzes Touristen-Koma gefallen. Ich habe nämlich eine wirkliche Superkraft: ich kann immer und überall schlafen! Selbst im Gastgarten am Gehsteig auf der doch sehr lebhaften Eisenbahnstrasse.

Als ich aufgewacht bin stand neben uns ein Polizei Einsatzkommando Bus und hat auf irgendwas gewartet. Keine Ahnung worauf. Aber die sind da stehen geblieben und haben die Menschen beobachtet. So wie wir auch.
Ähnlich wie in Berlin oder im 7. Bezirk in Wien kannst du hier auch nicht immer zweifelsfrei unterscheiden, ob die Person vor dir jetzt ein wilder Mensch, ein böser Räuber oder bloss ein bemühter Hipster ist. Die Grenzen sind fließend. No more Walls….

Meine Leipziger Brieffreundin hat mir dann abends geschrieben: „du warst in der Eisenbahnstrasse? Das ist die gefährlichste Strasse Deutschlands laut RTL!“

Tatsächlich lt. Google überlegt man hier schon spezielle Massnahmen einzuführen, Waffenverbote oder ähnliches, weil die Banden dauernd offene Kriege austragen und andere sehr wilde Dinge passieren.

Die erste Massnahme wird auch schon umgesetzt:
Polizeischutz für schlafende Touristen….