Artenvielfalt.

Was ich am liebsten mag an Tiergärten ist die Artenvielfalt.

Links von meinem Sitzbankerl sitzt eine Midlife-Mutti, so wie ich, nur schicker, mit ihrem Kleinkind.
Sie in dunkelblauem Freizeitlook gewandet. Designer Aufdruck dezent, aber trotzdem gewollt sichtbar.
Das Kind schaut fast gleich aus nur in klein. Auf Insta vermutlich unter dem Hashtag #minime. Oder wenigstens #thegoodlife.

Rechts von mir steuert eine Teenager-werden-Mütter Grossfamilie das Bankl an. Zwei Kinderwägen, zwei minderjährige Mütter, zwei Omis, zwei minderjährige Väter, einer davon mit leicht verklärtem, bewusstseinserweitertem Gesichtsausdruck. Weitere Kinder, nicht genau zuordenbar, umrunden die Gruppe. Eventuell noch Spätis von den Omis?

Die Midlife Mutti packt grad ihr schön geschnittenes Gurken-Ensemble wieder weg und reicht dem Mini-Mi eine Tube Desinfektionsgel. „Bitte gut die Hände einreiben, Alma-Marie!“

Die eine Teenager Mutti, deren Brust sehr üppig aus dem Dekolte rausdrängt, ruft dem mittleren Kind (unkategorisiert) zu. „Oida bitte Jeanny! Schiab dein Oasch a bissl weg und los mi a hinsetzen!

Die Midlife Mutti und ihr Mini Me haben ein teures Kinderfahrrad mit. Mit dazu passendem Helm. Für die Weitfahrt im Gelände (die nicht sehr schnell sein wird, wenn man bedenkt wieviele Leute da rumgehen) wird Alma-Marie ersucht den Helm aufzusetzen.

Rechts haben sie die Kinderwägen gut befüllt. Neben dem Babyflascherl ist im Wagen 1 ein Penny Energydrink und im Wagen 2 ein Energydrink von S-Budget positioniert.
Alle Erwachsenen und die, die nahe dran sind haben sich jetzt am Bankerl eingerichtet und zünden sich mal eine gemütliche Tschick an.

Alma-Marie Mutti steht inzwischen beim kleinen Verkaufsstand daneben an. Alma-Marie (mit Helm!) wird unleidlich. Offenbar will sie nicht das Stofftier sondern lieber das Plastikspielzeug. Zumindest zieht sie heftig daran.

Rechts ziehen sie auch alle heftig, an ihren Tschick. Der einen Omi rutscht der Ärmel hoch. Ein grünes Tattoo am Oberarm lacht mich an. Kreisrund und grün. Als Ortsansässige erkenne ich natürlich sofort das Wappen. „Hier regiert der SCR“ und „Rapid Wien forever“.

Alma-Marie brüllt jetzt wie am Spiess. Während ihre Mutti das Stofftier zahlt, zieht sie immer noch an den Plastikdingen. Die Alma-Marie Mama redet non Stop in einem Montessori Tonfall auf sie ein. Erklären. Auf Augenhöhe. Hilf mir, mir selbst zu helfen.

Rechts zischt es. Die Energydrinks werden geöffnet. Ich muss an das Spiel mit den Dosen denken. Wo man unten mit dem Nagel einsticht und dann öffnet und auf Ex trinken muss. Man hat soviel unnützes Wissen in seinem Hirn…

Dann zieht die Montessori Mutti an ums vorbei. Sie schreit jetzt laut. Das es ihr jetzt reichen würde und zieht links das teure Rad und rechts Alma-Marie (plärrend) hinter sich her. Alle wundern sich.
Bei den Jungfamilien bleibt sie stehen und drückt denen das neu gekaufte Stofftier in die Hand.
„Bitte schön, ich schenke Ihnen das. Weil die lernt das sonst nie.“
Dann zieht sie weiter und hinterlässt eine verdatterte, aber sehr erfreute Jungfamilie.

Alma-Marie Mutti dampft ab und die Omis drehen die Köpfe nach ihr und blasen Rauch hinterher…

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