Keine Kopfpolsterschokolade

Gerade in dieser Jahreszeit zolle ich allen Mitarbeiterin der Freizeitindustrie meinen größten Respekt.

Beim Frühstück habe ich den Kindern von meinem nahezu Unterbrechungs-freiem weil Pausen-freiem Einsatz in der Hotellerie erzählt. 2 Monate im Sommer 1980. Von mir und den jonglierenden Tellerbergen, von mir und den dampfenden Bügelmaschinen, von mir und den dreckigen Toiletten. Zugegeben kein Gesprächsthema für das Frühstück, aber die Kinder sind an meinen Lippen gehangen. 5 Minutes of Fame.
Von mir und den zu waschenden Bettwäsche Bergen. Highlight: von mir und der Gäste-Kopfpolster-Schokolade.
(Nicht erwähnt: von mir und dem ersten Mal Koma trinken.)

Nach dem Frühstück musste ich noch was an der Rezeption klären. Vor mir in der Reihe eine Oligarchin in hellster Aufregung. Weil der größte gemeinsame Nenner zwischen dem Russischen (Oligarchin) und dem Griechischen (Rezeptionistin) offenbar das Deutsche war, kam auch ich in den Genuss dieser launigen Unterredung…

Oligarchin (fortan „O“): mein Sohn hat siebentausend Euro bezahlt für meine Urlaub! Siiibäntausend! Und ich muss Tabletten wägen dem Blutdruck nämän!“

Bei sieben Plärrern wär mein Blutdruck eventuell auch ausser Rand und Band…

Rezeptionistin lächelt verständnisvoll aber unschuldig. Wie im De-Eskalations-Workshop gelernt.

O: „seit zwei Tagän bin i in diese Zimmär. Das geht so nicht!“

Ich sperre die Ohren weiter auf. Was wohl mit dem Zimmer ist? Bei dem Preis müsste es ohnehin vergoldet sein und Rachmanninoff ertönen, wenn man die Klospülung drückt…

R: „Zeigen sie mir mal ihren Voucher bitte“

O: „und dann dieses Meer!!! Dieses Määäär!“

Jetzt wird auch noch das Meer da mitreingezogen. Das kann ja wohl am wenigsten Schuld auf sich geladen haben.

O: „Holen sie jetzt den Mänäger! Oder soll ich wägän meinem Blutdruck auch noch einen Schlaganfall hier bekommen????“

Langsam beginne ich den perfiden Sohn-Plan zu erahnen!

O: „Den Mänäger !!!!“

Ich unterlasse den Kommentar, dass man Manager eventuell auch gendern sollte. Vielleicht wird das Gender Thema bei den Oligarchis noch nicht so heiss gekocht wie bei uns.

Ich geh dann lieber wieder. Lächle der tapferen Rezeptionistin zu und denke zurück an die Zeit als die Hotel Gäste besonders „speziell“ zu mir waren… und wie ich dann zur Strafe sehr viel Kopfpolsterschokolade selbst gegessen habe.. unter anderem….

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