Skihelme sind wie Männer

„Ich will nicht die Weltherrschaft erkaufen, nur einen Schihelm!“, sage ich.
Die freundliche Frau Katharina vom Pisten nahen Sportgeschäft legt den Helm um 569 Euro (!!!) wieder zurück ins Regal. Wer kauft bitte sowas???

Vor einigen Jahren hatte ich meinen treuen Billigsdorfer Helm verborgt und wie immer vergessen wem. Von da an hab ich jedes Jahr im Skiverleih einen Helm geliehen. Weil ich nix ausgeben wollte, und dachte mein Alter findet eh wieder zurück zu mir. Aber Skihelme sind wie Männer. Einmal den Besitzer gewechselt, ist eine Rückkehr eher unwahrscheinlich.
Das Ausborgen ist natürlich hier wie dort keine optimale Dauerlösung. Weil erstens zahlst du für den Besitz anderer und zweitens, kriegt man vielleicht Läuse vom Vorbesitzer.

Aber heute war ich frohen Mutes mich endlich wieder fix zu binden.
Während ich das günstigste Modell vom Geschäft probiere, bringt mir Frau Katharina, die nächst teurere Klasse.
„Nur zum Vergleich“, sagt sie in sympathischen Norddeutsch.
Der sei von der Wärme innen schon um Klassen besser.
„Wärme“ war mein erstes Stichwort. Und „optimal für Brillenträger“ das Zweite. Es folgten „modisch gerade sehr gefragt“ und „das letzte Stück auf Lager, weil der so begehrt ist“.

Wie ein Trüffelschwein setzen alle meine Synapsen aus und ich gehe eine innige Liebesbeziehung mit diesem zweitbilligsten Helm ein.
„Wollen sie den mal im Wind probieren?“, fragt Katharina aus Hamburg. Wir kennen uns jetzt schon näher.
Ein Blick aus dem Fenster. Es geht nicht mal ein Lüfterl. „Es gibt ja keinen Wind heute“, wende ich ein.
„Wir haben einen Windkanal!“
Kurz danach werde ich mit simulierter 40km/h Abfahrtsgeschwindigkeit aus einem Rohr angeblasen. Wohlige Wärme. Tatsächlich. Es wird immer gemütlicher unter dem Helm.
Inzwischen sind wir schon per Du.
„Willst du das Visier im UV Licht probieren?“
Ich gehe Richtung Tür.
„Nee, wir müssen nicht raus! Wir haben eine UV Simulationslampe!“
Oida! Whats next! Franz Klammer Abfahrtshocke Simulator?

Wie schön Hamburg ist, besprechen wir auch gleich. Und dass sie ihre Eltern schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Man kommt zu nix, wenn alle arbeiten.

Ab dem Zeitpunkt hätte man mir einen Sachwalter zur Verfügung stellen müssen. Katharina hat mein mitleidvolles Herz gebrochen und mein Geldtaschl geöffnet.

Jetzt müsste es nur noch so Simulationsgeräte für Männer und Frauen geben, wo man schauen kann, welchen Windverhältnissen eine Beziehung standhalten wird.
Dann wären meine Single-Freundinnen auch bald wieder unter dem Helm, äh Haube….