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Drama im Familien Hotel

3 Aug

Es fällt auf, dass immer wenn wir wo auf Urlaub sind, irgendwann auch die Polizei einen Auftritt hat. Und ich rede jetzt nicht von solchen Polizei Auftritten wie damals der Angelo. Bei der 30er Feier. Im US-Cop Kostüm. (Mit Knüpel!)

Also pass auf. Wir sind grad im steirischen Familien Hotel. Wie der Name schon sagt: Familien. Alles easy und entspannt. Das aufregendste was hier so passiert ist, dass einem Vater das Babytragetuch verrutscht. So wie dem freundlichen Leinenhosenmitschlapfenpapa beim Frühstücksbuffet gestern. Der wird dann aber sicher auch gleich seine Trageberaterin angerufen haben und dann werden die gemeinsam eine für alle zufriedenstellende Lösung erarbeitet haben.

Nicht so einfach läuft das allerdings bei uns. Als wir uns gestern zum gemütlichen Fernsehen (Lara Croft) hinlegen wollen, im vier Quadratmeter Doppelzimmer mit Beistellbett, stört sehr lautes telefonieren und grauslicher Zigarrengeruch vom Nachbarbalkon. Irgendein Problem mit dem Computer gab es lautstark von dem Herrn, nebenan zu besprechen. Während Angelina Jolie sich am Bildschirm durch die Gegend kämpfte, haben wir frei Haus alle Nachbar email Adressen und Passwörter geliefert bekommen. Datenschutz ole!
Inspiriert von Angelina hat Muttti die Angelegenheit in die Hand genommen, ist über das Doppelbett geklettert und hat das Klappbett hochgeklappt um die Balkontür öffnen zu können. Dann habe ich mich fest entschlossen über das Balkongeländer gebeugt, um von Frau zu Mann ein klärendes Gespräch zu führen.

„Entschuldigen Sie, es ist gleich 23 Uhr, könnten sie vielleicht eventuell …äh bitte, so freundlich sein… und etwas leiser…“

Nur, dass das dem Herrn voll wurscht war was Susie Croft zu vermelden hatte. Nicht mal als ich lauter und schriller wurde, hat er reagiert. Also tut eine Superheldin was Superheldinnen so tun. Sie holten Ihren Mann zu Hilfe. Und dann die Security. Am Weg zur Rezeption hab ich den Gatten noch eifrig „diskutieren“ gehört.
„Wir wissen jetzt alle deine Passwörter“.
Das is offenbar die schlimmste Drohung von einem IT’ler.

Irgendwann hör ich auch noch wie sich der andere Nachbar einschaltet. Ein lautes „gusch jetzt da unten du Wixer“, war laut im ganzen Familien Hotel zu hören. Ich hoff der Tragetuchpapa hat schon tief und fest geschlafen.

Als ich mit der Security zurückkomme in Richtung Zimmer war es plötzlich ganz still. Zum Glück, weil die Security hätte die Lage vermutlich eh nicht klären können. Die war nämlich ca 1,5m gross, blond und maximal 20 Jahre alt. Und eigentlich Rezeptionistin.

Wie er das jetzt so schnell die Ruhe hergestellt hat, will ich vom Gatten wissen.
„Gar nix hab ich gemacht. Ich habe ihn einfach nur schweigend zu Tode gestarrt.“ Kopf über die Balkon Trennwand rüber und einfach nur schauen. So lang bis ihm das offenbar unheimlich wurde.

Na bitte schön! Brauch ma keinen Angelo mehr. Die neuen Superhelden drohen mit Passwörtern und starren ihre Feinde in die Flucht….

Wen kratzt das?

28 Jul

Aus der Reihe: „Berufe von denen keiner ahnt wie hart die sind“
Heute: Service Berater in einem Autohaus

Während ich noch warte und meinen Unfallbericht ausfülle („Fahrzeug A verließ einen Parkplatz“) stöckelt eine sehr feierlich verpackte Dame schwungvoll ins Autohaus. Style: Firmung oder Familienfeier.

„Ich komm mein Auto holen, was muss ich tun?“, fragt sie so hilfesuchend und schutzbedürftig, dass ich kurz überlege ihr meine aktive Sachwalterschaft anzubieten.
„Nur kurz warten bitte.“, antwortet der Servicemann sehr freundlich.
Die Dame stöckelt aufgeregt in der Halle herum.
Klack Klack Klack. Das Stöckelschuh Echo beschallt die Halle.

Schwungvoll kommt die nächste Dame rein.
Rosa Hemdbluse (teure Marke), beige Hose, noble Schlüpferschuhe. Ganzheitlich betrachtet könnte sie sich eventuell auch am Kleiderschrank von ihrem Mann bedient haben.
„So, was is jetzt mit meinem Auto? Wieso hat das jetzt so lang gedauert?“, keift sie dem Servicemann grußlos entgegen.
Die Stimme wird bei jedem Wort heller und schriller.
Dahinter das „Klack, Klack, klack“ von der Firmpatin.

Nach der von ihm sehr freundlichen Begrüssung bietet ihr der Servicemann einen Kaffee oder ein Wasser an.

„Naaaaain“, antwortet die schrille Stimme. „Ich muss nur schnell weg, weil Freitag Nachmittag ist denkbar schlecht, wegen meinem Mann wissen sie.“

Ich frag mich was der Mann damit zu tun haben könnte. Vermutlich eh nix. Vermutlich liegt der grad entspannt neben der Sekretärin. Was ich ihm unbekannterweise gönnen würde. Oder er würde jetzt dringend das Gewand retour brauchen. Beides denkbar.

Dazwischen kommt ein junger Mann mit Kapperl. Dem Aussehen nach: Cannabis Dealer. Auch das würde ich allen hier gönnen. Aber nein, er beschwert sich weil bei seiner Autoreparatur ein Kratzer am Reifen entstanden sei. Oi! Wen bitte kratzt ein Kratzer am Reifen!???!
(Gut, fairerweise muss ich sagen: mich kratzen dafür meine Krähenfüsse an den Augen… jeder hat so seine eigenen Spezialitäten. Egal)

Ich bewundere den Service Mitarbeiter, bei der Hitze am Freitag Nachmittag hochprofessionell und freundlich zu bleiben. Hut ab!
Als ich an die Reihe komme, sehe ich hinten am Computer Bildschirm einen kleinen Aufkleber in Form einer Schraube. „Locker bleiben“, steht drauf. 🙂

Falls jetzt wer auf den Geschmack gekommen ist, sie würden eh noch Mitarbeiter suchen…

Feierabend Glück

26 Jul

U3 Kardinal-Nagl-Platz

Am Heimweg von der Arbeit noch ein mürbes Kipferl von der Bäckerei mitnehmen. Einen Sitzplatz in der gekühlten Ubahn finden. Das Kipferl geniessen. Das ist das kleine Feierabend Glück.

Plötzlich stellt sich eine Frau in meinem Alter in die Mitte vom Gang in der Ubahn und beginnt laut zu sprechen. „Entschuldigen Sie, hat irgendjemand vielleicht was übrig was er heute nicht gegessen hat?“
Keine Reaktionen. So ein Smartphone is ein gutes Versteck auch.

Ich schau mein Kipferl an.
Mein Kipferl schaut mich an.
Es schmeckt halt schon gut.
Und angebissen is es ja auch schon…

Sie geht weg.
Ich geh hinterher und drück ihr das halbe Kipferl in die Hand. Und dann stehen wir unbekannt nebeneinander bis zur Station Westbahnhof und essen unser Kipferl.
Das is vielleicht das noch grössere Feierabend Glück.

Ich darf in Berlin auftreten! JUHU!

23 Jul

Ein Berlin Buch hab ich gesucht. Am besten Handlung in Berlin, Autor aus Berlin und optimalerweise diesmal als Hörbuch. Weil es is nämlich so, dass ich am 30.8. auf der wunderbaren Lesebühne der Brauseboys im Berliner Wedding als Gastleser eingeladen bin. Was für eine Freude !!!! Doch je näher der Termin rückt, desto nervöser werde ich. Ob man mich dort überhaupt verstehen wird?? Ob sich das Schmäh technisch ausgeht?? Also muss ich mich schon mal annähern an Berlin. Auf der Suche nach Eingroove-Lektüre bin ich auf das Buch „Nackt über Berlin“ von Axel Ranisch gestoßen. (Ich gebs zu: 1. wegen dem Eier Cover und 2. wegen dem vielversprechenden Wort „Nackt“)

Wer „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf mag, wird dieses Buch ebenso lieben!!! Es geht um zwei Jugendliche, nicht grad die coolen Schulchecker, die den Schuldirektor entführen und einsperren. Das läuft dann aber irgendwie aus dem Ruder. Es geht um Schuld, es geht aber auch um Familien, um Freundschaften, um diese ganz unsichere und zerbrechliche Zeit des Erwachsen werdens. Noch dazu wenn man schwul ist. Er nennt ihn liebevoll Tschaikowski, weil er alles über klassische Musik weiss und dies sein grösster Held ist. Noch nie hat jemand klassische Musikstücke so sinnlich beschrieben.

Gestern hatte ich sturmfreie Bude daheim und hab die Zeit genützt um das Hörbuch weiter zu hören. Ich konnte nicht mehr aufhören! Jetzt mach ich immer Hausarbeit beim Hörbücher hören. Ich hatte dann nur schon alle Wäsche gewaschen, gebügelt, nach Farbe und Art der Kleiderbügel einsortiert. Ich hab die Bilder in der Wohnung neu umgehängt und konnte noch immer nicht aufhören, weil mich das Buch so gefesselt und berührt hat. Irgendwann bin ich am Wohnzimmer Boden gesessen und hab unter Tränen den Anti Rutsch Belag vom Teppich zugeschnitten! Beim Finale des Buches hab ich mich dann selbst dabei ertappt, wie ich eine symmetrische Klorollen Pyramide aufgebaut habe, weil es sonst nix mehr zu tun gab.

Das Buch wird ganz gross rauskommen, dass hab ich gespürt als ich am Ende stolz meinen Klorollenturm betrachtet habe. Es sollte auch dringend verfilmt werden, aber nachdem der Axel Ranisch auch Regisseur (auch Tatort!) ist, wird das sicher kommen. Ich liebe ja Tragikomödien. Das Buch ist weit mehr als das, es ist humorvoll, spannend, berührend. Und das alles in Berlin.

Ich weiss jetzt zwar noch immer nicht, was ich bei meinem Lesebühnen Auftritt lesen werden. Und die Nervosität hat auch nicht abgenommen. Aber ich freue mich schon so auf Berlin und vielleicht ist ja jemand in der Gegend und mag kommen. Hiermit: herzlich eingeladen!

PS: wenn es ganz arg wird mit der Nervosität, geh ich einfach schnell ins Klo dort und bau wieder eine meditative Klorollen Pyramide…

4.600 Teile!!!

22 Jul

Wir sind ja alle Jäger und Sammler.
Ich habe diesbezüglich in einen besonders fleissigen Stamm eingeheiratet.

Gestern haben wir bei meiner Lieblingsschwägerin übernachtet, weil wir gemeinsam auf einem Austropop Konzert waren. Sie ist in unserer Sippe zuständig für das Sammeln von Dekomaterial. Ich habe das unter zuhilfenahme vom Kind inventarisiert.
Es führen Deko Schmetterlinge (ca 150 Stück), vor Engeln (ca 90) und Delphinen (+/-50). Venezianische Masken gäbe es auch noch. Da ging uns schon die Luft aus beim Zählen.

Mein lieber Schwager ist für die Fortbewegung zuständig: 17 (!!) Autos, 50 Pokale von div. Autowettbewerben und geschätzte 100 Miniatur Autos (vorwiegend: Renault!). Die Frage nach der Zahl der Autoteile, hat er wie aus der Pistole geschossen beantworten können: „600 hab ich schon in der Excel Liste inventarisiert. 4000 gibt es noch einzutragen.“

4.600 Autoteile !!!!! Oida !!!!!

Somit ist er der unangefochtene Sammelkönig in unserer Sippe.

Mein Gatte hingegen sammelt Musik und Restaurant Tipps. Ja und ich? Ich sammle Bücher (schätze 300) und Geschichten (ca 400 auf meinem Blog derzeit).

Was wir aber alle miteinander am liebsten sammeln, sind gemeinsame Erinnerungen. So wie an den gestrigen Konzertabend. Wie wir getanzt haben und laut und inbrünstig mitgesungen. Erinnerungen brauchen keinen Platz und abstauben müssen wir sie auch nicht. Um’s inventarisieren braucht sich auch keiner kümmern, mit meinem Schreibzwang is eh alles festgehalten….

PS: Was ob unserer Sammelleidenschaft dann doch verwunderlich scheint, ist dass wir alle mit nur einem Partner das Auslangen finden 🙂 aber das is dann eh schon wieder die nächste Geschichte. Nummer 401.

Der Tag, als meine Frau einen Mann fand.

19 Jul

Ich kann heute noch immer nicht gscheit aufrecht gehen. Das nur weil ich vor 6 Tagen wandern war. Dabei eh nur bergab. Rauf ging es vorher ganz flott und bequem mit der Seilbahn. Der Abstieg hat dann aber diese körperlichen Spuren hinterlassen. (Und dabei war mein Bindegewebe lang vor mir unten…)
In 2 Wochen werde ich 44. Es drängt sich dabei der Gedanke an die Seilbahn Bergstation auf. Flott hinauf und ab jetzt Abstieg mit körperliche Spuren.

Genau darum geht es auch in dem Buch von Sibylle Berg „der Tag, als meine Frau einen Mann fand“
Um zwei Menschen in der Mitte des Lebens, aber nimma ganz in ihrer eigenen Mitte. Und auch nicht mehr ganz in der Mitte ihrer Langzeitbeziehung. Ich wollte schon fast aufgeben, nach der ersten Hälfte vom Buch, weil es war deprimierend und auch langatmig. Es ist irgendwie nix passiert.
Aber das war sicher ABSICHT, denn besser hätte man das gar nicht beschreiben können. Dir geht es als Leser beim Lesen, so wie es denen im Buch beim Leben geht. Es zaht sich und alle warten irgendwie auf was. Aber auf was? Und währenddessen ruft der Seilbahnführer: „aussteigen!“. Und der Abstieg beginnt…

Einzig wegen ihrer bitterbösen Sprache habe ich durchgehalten und wurde zugleich reichlich belohnt! Plötzlich knallen alle durch, es wird irre und auch sehr körperlich. In allen Belangen!

Für alle Fans von messerscharfer und brutaler Beobachtungsgabe mit bösen Blicke auf eine Generation zwischen Selbstfindung und -verwirklichung.
Grossartiges Buch – absolute Leseempfehlung !

Genau das richtige für den kommenden Schnapszahlengeburtstag…

Die Glucke

14 Jul

Die letzten Meter bevor wir das Kind nach einer Woche Ferien Camp abholen sind die längsten. Jede Kurve zaht sich unnötig in die Länge, jeder Kreisverkehr ein Störfaktor.
Man ist dann doch gluckiger als man denkt.

Rechtzeitig zum Abschlussabend dann im Camp. Jedes Kind darf einen Luftballon steigen lassen. Aufgeregtes Geschnatter. Einzelne Luftballone lösen sich schon vorzeitig. Dann wird angezählt. 10-9-8-7…

Unter lautem Applaus und Juhu lösen sich 260 bunte Luftballone und steigen in den blauen Himmel. Manche schneller. Manche langsamer. Manche alleine. Manche bilden Gruppen. Oder verheddern sich.

Für die Gluckenmutter ist das zuviel Metaphorik. Nicht soviel denken. Loslassen. Und das Gesicht abwischen.

#wannabecooler