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Drum prüfe wer sich ewig bindet…

18 Nov

Letzte Woche hab ich sie mit ins Büro genommen. Sie hat gestempelt, Rechnungscouverts geöffnet und Meeting Mitschriften verfasst.
„Mama, wie wird man Leiterin?“, hat sie mich danach gefragt. Hui war ich stolz!

Gestern hab ich sie mit auf die lange Schlagernacht genommen. Sie hat gesungen, getanzt und die Haare wild dabei geschüttelt.
„Mama, warum bist du nicht Schlagersängerin geworden, ist doch viel cooler!“

Und weg war Ruhm und Ehre.
Die neuen Heldinnen heissen jetzt Michelle und Vanessa Mai.

Berufswahl ist wie Partnersuche. Drum prüfe wer sich ewig bindet. Ob sich nicht was besseres findet…

PS: die Frage war leicht mit einer Gegenfrage zu beantworten: “ Würdest du dafür Geld zahlen, um mich singen zu hören?“.
Na eben!

Es riecht…

17 Nov

Am Weg zum Berliner Lieblings-Späti durchqueren wir so ein Berliner Hipster Viertel. Es riecht intensiv und eindeutig.

„Jössas, da riacht’s!“, entkommt es mir.
„Wonach?“, fragt das Kind neugierig.
Das ist so ein Moment wo die Dehnbarkeit der Wahrheit einer maximalen Belastungsprobe widerfährt. Alternative Fakten müssen her.

„Nach Wald“, ruft der Gatte.
„Nach Kräutertee“, ruf ich.
„Nein, so wie bei uns daheim im Garten!“, ruft das Kind!

Verstört schauen sich die zwei anwesenden Erwachsenen an.
„Es riecht nach dem, was sich die Mama immer in den Tee gibt!“
Jetzt schaut nur mehr ein Erwachsener verstört. Der andere verwundert.

Ich denke alle Pflanzen im Garten durch. Thujen, Rosen, Disteln. Wos bitte riecht davon?

Da fällt es ihr ein: „Melissa, Mama! Das Melissa!“
Ah! Alles klar! Die Zitronenmelisse!

Als wir den „Späti des Vertrauens“ erreichen, ist auch meine Reputation wieder hergestellt.

Essen verboten!

9 Nov

Jeden Tag wenn ich vom Büro heimgehe, komm ich beim Maroni Broda (muss man so Gangsta Rap mässig wie „Brotha“ aussprechen) vorbei.

Die köstlichste Ware bietet der feil.
Neben der Standard Maroni Woar, gibt es auch Kartoffel Spalten und Puffer,
deren modernere Version: die Wedges,
den Hipster Spin-off: Süsskartoffel Wedges.

Für die Herrschaften (wie gendert man das wieder??) mit den nicht so kräftigen Beisserchen: der Kartoffel Puffer. Kann man einspeicheln und breiig zermalmen.
Für die, die zwar noch gute Zähne, aber keinen unmittelbaren Partner haben, gibt es auch was: Langos mit Knoblauch.

Jeden Tag hab ich Gusto, wenn ich vorbeigehe. Und jeden Tag kauf ich nix, weil unmittelbar hinter dem Broda das Essverbot in der U-Bahn auf mich lauert.

Heute hab ich mir mal nix gschissn und ganz verwegen 8 Maroni gekauft. Die hab ich nun in meiner Manteltasche stecken.
Mit der einen Hand halte ich jetzt (so wie alle anderen in der U-Bahn) mein Handy. Als Alibi. Und mit der anderen Hand versuche ich einhändig in meiner Manteltasche drinnen die Maroni aus der Hülle zu wuzzeln.
Wenn es zum finalen Zubiss kommt, halte ich schützend das Handy direkt vor den Mund. Dann sieht niemand die Kaubewegungen.

Voller Freude über diese verwegene Methode schaue ich stolz um mich und merke: es interessiert eh niemanden.

Ich könnte mit dem Schnitzlteller da sitzen und die Panier abkiefln, es würde niemanden auffallen, weil ausnahmslos jeder in sein eigenes Handy schaut.

PS: Morgen nehm ich die Süsskartoffeln…

Die glatzerte Volksschullehrerin

24 Okt

Großartiges Kabarett gestern in der Kulisse gesehen. Von einer 1,92m großen, glatzerten und tätowierten Volksschullehrerin namens Markus Hauptmann.

In seinem Programm „Highlights aus der Schule“ geht es um Eltern, die ihren Kindern die Weintrauben halbieren und Eltern, die sich aufgrund von Abnabelungsproblemen im Materialkasten der Schule verstecken.
Es geht aber auch darum, wie das bei uns als Kind damals war. Zu einer Zeit wo keiner Weintrauben entkernt hat, wir Uhu gefressen oder den Tintenkiller abgelutscht haben.
Es geht um Malen mit veganen Farben und vegetarischen Pinseln und den Papa von der Sämäntha, der beim Elternsprechtag wissen will, warum in Religion immer nur vom lieben Gott die Rede ist, aber nie vom SK Rapid Wien.

Fazit: Mir tut alles weh vor Lachen und ich empfehle wirklich dringend sich den Markus Hauptmann live anzuschauen!

Termine: http://www.markushauptmann.com
Oder auf der Facebook Fanpage:
https://www.facebook.com/MarkusHauptmannComedy/

Buchtipp: Der Preis der Macht

21 Okt

„Mama, lesen wir heute wieder die außergewöhnlichen Frauen?“ Diese Frage höre ich von meiner 7jährigen Tochter fast jeden Abend. Und dann lesen wir faszinierende Geschichten aus dem Buch „Good Night Stories for Rebel Girls.“ Untertitel: 100 außergewöhnliche Frauen. Eine davon ist Angela Merkel.

Genau neben dieser Angela Merkel sitzt im Jahr 1998 die damalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, als der Anruf kommt. In Lassing ist eine Grube eingestürzt, ein Bergmann ist gefangen, dann auch die Suchmannschaft verschüttet. Waltraud Klasnic lässt sofort alles liegen und stehen und fährt an den Unglücksort. Sie tritt dort vor die wartenden Angehörigen, die sie verzweifelt anschauen und Rettung erhoffen.

Ich sitze in der zweiten Reihe bei der Buchpräsentation, als Waltraud Klasnic über diesen Abend vor 20 Jahren spricht. Ich bin nah genug dran um zu sehen, dass sie dabei Tränen in den Augen hat. Mich drückt es auch schon. Lou Lorenz-Dittlbacher, die man aus der ZIB2 kennt, präsentiert ihr Buch „Der Preis der Macht“. In dem Buch dokumentiert sie Gespräche mit acht ehemaligen Spitzenpolitikerinnen. Waltraud Klasnic ist eine davon. Ich habe das Buch vorher schon gelesen und freue mich daher umso mehr auf die Präsentation und die Hintergrundgeschichten dazu.

Sehr persönliche Einblicke in das Leben von acht ehemaligen Politikerinnen

Im Vorwort schreibt Lou Lorenz-Dittlbacher, dass sie an einem Abend vor zwei Jahren ihrer Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat. Und dass sie überzeugt war, dass sie ihr beim Aufwachen erzählen würde können, dass eine Frau im Jahr 2016 alles erreichen kann. Dass der Weg nach oben frei sei. Auch ins weiße Haus.

Dass dieser Weg für eine Frau vielleicht doch noch nicht frei ist, hat der nächste Morgen gezeigt.  In dem Buch „Der Preis der Macht“ geht es auch um Antworten auf die Frage: Ist Österreich bereit für eine Frau an der Spitze? Diese acht ehemaligen Politikerinnen erzählen aber auch sehr Persönliches, woher sie kommen, wie sie aufgewachsen sind, wie sie an die Macht kamen. Und wie es dann damit vorbei war.

Das Buch ist extrem spannend, interessant und vieles davon war für mich auch sehr überraschend und unerwartet. Vor allem aber bist du als Leser emotional sofort sehr eng dran an den Hauptdarstellerinnen.  Und dass man als Politikerin immer auch eine Hauptdarstellerin sein muss, wird einem beim Lesen auch schnell klar. Es geht um Außenauftritte, um Performance, um Kommunikation. Wie Heide Schmidt, die ebenfalls in dem Buch portraitiert ist, beschrieben hat: „Es geht um das Funktionieren der medialen Bilder und der gewollten medialen Bilder“.

Mich persönlich faszinieren ja auch immer die Exit Strategien. Was kommt danach? Brigitte Ederer zum Beispiel, wollte sich einen Jugendtraum erfüllen: „Gasthaus-Eigentümerin und Schmähführerin. Den neuesten Tratsch austauschen.“ So stell ich mir meinen Ruhestand dann auch bitte mal vor, Schmähführerin und Tratsch austauschen. Nur ohne Gasthaus-Eigentümer halt.

Oder Waltraud Klasnic, die  nach ihrer politischen Karriere großes Engagement für Themen an den Tag legt, die nicht so lustig sind. Die vielleicht sonst gar keiner machen möchte. Ehrenamtlich engagiert sie sich im Bereich Hospiz und kümmert sich um Opfer von sexuellem Missbrauch. Warum sie sich gerade für so schwierige Themen einsetze, will Lou Lorenz-Dittlbacher bei der Buchpräsentation von Waltraud Klasnic wissen. „Vielleicht auch ein bisschen, um meiner leiblichen Mutter zu zeigen, dass mein Leben lebenswert ist. Dass es sich ausgezahlt hat, mich nicht abzutreiben, so wie sie ursprünglich vorhatte.“ In dem Moment ist es mucksmäuschenstill in der Buchhandlung. Ich habe noch nie bei einer Buchpräsentation geweint. Jetzt ist es soweit.

Prädikat: großartig zum Selberlesen und zum Verschenken

Genauso berührend wie die Geschichte von Waltraud Klasnic, die bei dieser Buchpräsentation persönlich anwesend ist, sind aber auch die Geschichten von Gabi Burgstaller, Brigitte Ederer, Benita Ferrero-Waldner, Ulrike Lunacek, Maria Rauch-Kallat, Susanne Riess und Heide Schmidt.

„Der Preis der Macht. Österreichische Politikerinnen blicken zurück“ ist nicht nur großartig zum Selberlesen, sondern auch ein wunderbares Geschenk. Ich habe an dem Abend gleich eines  für meinen Opa in der Steiermark gekauft. Der wird im April 90 Jahre alt und freut sich sicher über die persönliche Widmung von der ORF-Moderatorin und von der ehemaligen Landeshauptfrau.

Mein Exemplar schenke ich in ein paar Jahren meiner Tochter, wenn sie dann zu groß für die „Rebel Girls“ ist. Ein Zitat im Vorwort von Lou Lorenz-Dittlbacher habe ich ihr jetzt schon mit pinkem Leuchtstift markiert:

„Ich weiß, dass wir weiterhin die Gläserne Decke nicht haben zertrümmern können, aber irgendwann wird es jemand tun – hoffentlich früher, als wir jetzt denken mögen. Und an alle die kleinen Mädchen, die dies hier verfolgen: Zweifelt nie daran, dass ihr wertvoll seid und mächtig und jede Chance und Gelegenheit in der Welt verdient, eure Träume zu verfolgen und zu verwirklichen“ (Hillary Clinton, 2016)

preis-der-macht-cover

Wie ich zwei Karten für den Kulis bekommen habe…

13 Okt

Vor dem Heimflug aus Berlin, wo ich im September auf der Lesebühne gelesen habe, stupst mich der Gatte am Flughafen an: „schau der Kulis fliegt auch mit uns!“

Ich seh wie der berühmte Ö3 Callboy von Fans angeredet wird. Ich als alter Promi Stalker hätt‘ zwar auch gern ein Selfie, aber irgendwann (selten) ist auch mir mal was peinlich.

Später dann, als wir auf das Boarding warten stehe ich vorm Cafe an. Der Kulis direkt hinter mir. „Jetzt!“ denke ich. Jetzt wäre der vielleicht am wenigsten peinliche Moment. Aber was sagen?

„He, bist du der Kulis?“ oder
„He, ich kenn dich vom Radio!“ oder
„He, das mit dem derbademaisdaisdoof war saulustig!“

Die lange Hirn Anstrengung wird dem Mund zu fad. Er macht einen unkoordinierten Alleingang und prescht vor:
„He, hast du auch einen Auftritt in Berlin gehabt?“

😳

Es folgt ein nettes Gespräch unter Kollegen, zwischen Hochstaplerin Susi und dem Gernot Kulis. Am Ende schenkt er mir zwei Karten für seine Vorstellung heute im Globe.

Kollege Kulis, vielen Dank! Es war ein grossartiger und saulustiger Abend!
Geht’s alle hin und schaut’s euch das an!

Womans Day gestern

5 Okt

20.55. Ich bin am Heimweg von einem langen Tag und freue mich, dass die Bäckerei bei der U3 Landstrasse noch offen hat.

Ich stelle mich an, mit meiner zerissenen Strumpfhose und den dreckigen Bürounterlagen. Weil am Nachmittag bin ich am Weg zum Kundentermin sehr theatralisch gestürzt. Mitten auf der schnurgeraden Praterstrasse. Schwöre, ich hab nicht mit dem Handy gespielt. Trotzdem is natürlich auch das Display gebrochen. („Kua hi – Keiwl a“ = steirische Bauernregel)

Vor mir bestellt eine Kundin ein Olivenbrot. Das schaut gut aus. Das nehm ich dann auch.
„Leider aus“, sagt die Verkäuferin. Die auch um die Uhrzeit noch super freundlich ist.
Da dreht plötzlich die andere Kundin wieder um, kommt retour und hält mir ihr Olivenbrot hin.
„Nehmen’s ruhig die Hälfte, ich brauch eh nicht alles. Oder reissen’s a Stickl owa“.

Das is jetzt mein persönlicher Womans Day ❤