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Neujahrsschweinderl im Flugzeug

6 Jan

Beim Abflug hat der Pilot gesagt, dass wir etwas später dran sind, wegen „sehr starker Verschmutzung“ der Maschine vorher.
Hab ich auch noch nie gehört so eine Durchsage. Hab dann die ganze Zeit beim Flug überlegen müssen, warum das solche Saubadln waren, die Passagiere vor uns, und was die wohl gemacht haben.

Wir haben uns dann extra bemüht ordentlich und sauber zu sein, habe alle Essens- Schälchen ur schön gestapelt, die Sauce mit dem Brot aufgewischt und der Gatte hat ein Speibsackerl zum Restmüllbehälter umfunktioniert.
Als Dank, dass sie trotz der Schweindln alles so schön sauber gemacht haben, hab ich dann doppelt so laut geklatscht beim Landen. Den anderen Gästen dürfte das auch alles positiv aufgefallen sein, die haben sich mir gleich angeschlossen (nach einem kurzen Verzögerungssekunderl, das muss man ihnen geben) und diesmal zahlreich mitgeklatscht.
Vielleicht war es auch nur die Angst vor der Kälte und sie wollten sich schon mal die Hände reiben.

Bei der Passkontrolle wollten sie mich fast nicht einreisen lassen, weil ich so braun bin. Not.
Keiner hat geglaubt, dass ich je diese Insel im indischen Ozean betreten habe.

Zeitgleich mit uns ist auch die Maschine aus dem Morgenland gelandet, mit den drei Weisen an Bord. (siehe Foto)
Die haben mir dann mit der Einreise geholfen, indem sie einen Facharbeitermangel geltend gemacht haben. Jetzt bin ich mit ihnen on Tour in der Ankunftshalle. Ich bin der Sternträger, weil ich am hellsten leuchte.

Gleichzeitig bin ich für die Presse- und Social Media Arbeit zuständig. Weil da liegt auch was im Argen, wenn sie am Flughafen gleich schreiben, dass „benachbarte Galaxien auf Crashkurs“ sind, nur weil die heiligen drei Könige gelandet sind…

Auf der Flucht…

4 Jan

Wenn man schon illegal im benachbarten 5-Stern-Hotel frühstücken geht, sollte man sich vielleicht unauffällig und ruhig verhalten. So wie ich heute. Äh. Nicht.

Also die Sache ist die. Gleich neben unserem Hotel ist so ein Luxus Hotel. Und naja, man soll ja auch über seinen Tellerrand hinausblicken und deswegen habe ich vorgeschlagen, dass wir heute dahin frühstücken gehen. Weil es sozusagen das Schwesternhotel von unserem ist, kann man hier auch tatsächlich abends ohne Aufpreis essen gehen. Wenn man sich rechtzeitig anmeldet. So circa 3 Monate vorher. Fully booked hiess es sonst immer. Ich denke die wollen eher unter sich bleiben. Aber da hat man nicht mit Mutti gerechnet, weil wenn Mutti abends kein Plätzchen findet, kommt sie einfach zum Frühstück. Auch wenn das da eigentlich nicht vorgesehen ist. Aber das muss ja keiner wissen, auch innerfamiliär nicht, würde alle nur unnötig belasten. Das Kind mag so minimalistische Gesetzesübertretungen sowieso gar nicht. Die kriegt schon einen Zucki Mucki wenn ich zu weit vom Randstein weg parke. Ich fürchte das liegt daran, dass sie schon zu oft wegen Muttern in peinliche Situationen hineingezogen wurde. Also bitte daher alles streng nach Vorschrift. Dann kann nix sein. Denkste!

Also wie selbstverständlich bewegen wir uns in dem 5 Stern Frühstücksambiente. Nehmen Platz am Tisch. „Merci!“, zum Kellner und „no hurry“, als der Tisch noch nicht eingedeckt war. Wir sind im Urlaub und nicht auf der Flucht, ist das alte Familien Motto.

An den Bewohnern hat man auch gleich gemerkt, dass man in einer anderen Kategorie ist. Während bei uns eine fröhliche Mischung aus Franzosen, Österreichern, Deutschen oder Italienern im Hotel vorzufinden ist, sind dort die exotischeren Herkunftsländer untergebracht. Sehr viele Männer waren dort wohl ebenso wie ich, um die Hautgesundheit ihrer Damen besorgt und haben sie fürsorglich gleich von oben bis unten eingewickelt. Das waren die orientalischen Gäste. Gut betucht im wahrsten Sinne des Wortes.

Dann gab es dort noch einige asiatische Gäste, ur schön geschminkt und großteils mit ihren Smartphones im Selfie Modus beschäftigt. Ich schätze das war die Asia Instagram Influencer Haute volee.

Und dann natürlich die Amis. Baseball Kappen, fette Uhren und namhafte Poloshirts selbst für die kleinsten. Natürlich mit aufgestellten Krägen (es hört wohl nie auf).

Das Essen war eigentlich genauso gut und umfangreich wie bei uns im Hotel. Vielleicht die Deko einen Hauch aufwendiger. Und mehr Saucen Auswahl bei den Waffeln. Also wie ich da so komm, mit meiner frischen Waffel, passiert es. Sie haben kunstvoll eine 2-stöckige Galerie aufgebaut für die Saucengläser. Erdnussbutter, Caramel, Schoko und Vanille unten in so Rexgläsern. Oberhalb dann Kokosstreusel, Mangopüree, Bananenpüree und jetzt kommt es: eingelegte Zimtäpfel! Grossartig!!! Und wie ich den Rexglasl Deckel hebe, um mir so einen Zimtapfel rauszunehmen gerät das ganze Luxussystem gehörig ins Schwanken. Kurz danach in Seenot und eine Millisekunde später kracht die ganze Konstruktion lautstark zu Boden und reisst alle Saucen (Caramel, Peanutbutter…alles!!!!) mit sich hinunter!!

Die Orientalen, die Amis und ich glaub da waren dann auch noch Russen, schreien laut auf, als ob ich ein Attentäter wäre. Sie springen zur Seite und halten die Frauen und Kinder fest. Ich stehe in der Mitte mit meiner Waffel. Festgepickt auf der Caramelsauce und in Schockstarre weil ich jetzt nicht genau weiss was ich tun soll. Mein erster Reflex will sich bücken und das Drama wegputzen. Aber das machen gleich die anrückenden Einsatzkräfte vom Hotelservice.

Das Kind hat sich in der Zwischenzeit vor lauter Peinlichkeit einer asiatischen Familie angeschlossen. Vielleicht auch wegen der Hello Kitty Smartphones.

Ich ziehe meinen Hut tiefer ins Gesicht und gehe langsam rückwärts in die Richtung wo unser Esstisch war. Durch die Schaulustigen die zusammen gelaufen sind hindurch. Dort sitzt der Gatte ganz allein und schaut meine undekorierte und saucenlose Waffel an.

Ich freu mich, dass er von allem nix mitbekommen hat und beginne ein belangloses Gespräch über die hervorragende Qualität der hiesigen Mangos und lobe seine perfekte Aufschneidetaktik. Bis er mich unterbricht:

„Wenn du mit ana nockerten Waffel ohne wos zruck kummst und es hot grad an Riesen Tuscha gebn, dann tät mi des jetzt sehr stork wundern, wenn du net involviert woarst!“.

Najo. Ich sag ja: lieber unauffällig und ruhig verhalten…. Und wir sind zwar immer noch im Urlaub, aber vielleicht jetzt doch besser auf der Flucht.

Was heisst Wombada?

27 Dez

Die Gatten Familie ist wahrlich nicht sehr sportlich, aber bei einer Aktivität sind sie alle dabei. Ich denke das ist überhaupt die einzige Sportart, die überhaupt aktiv betrieben wird: Aquagym!!! Kaum ist irgendwo irgendjemand von uns unterwegs. Beim Aquagym sind alle dabei! Meistens springt unsere deutsche Schwägerin als erstes aus dem Bett, oft schon um 7 Uhr früh, wenn irgendwo Aquagym am Plan steht.
Hat auch den Vorteil, dass wir immer die ersten beim Liegen reservieren sind!

Daher war der Gatte natürlich auch top motiviert, als er heute um 11 Uhr Aquagym am Plan entdeckt hat. Schnell noch das Frühstück rein, zacki zacki und ab in den Pool. Um das Risiko einer Unterzuckerung beim Sport zu minimieren, hab ich sicherheitshalber eine Extra Portion Waffel mit Schlagobers gegessen.

Der Pool dann das Metier vom Gatten. Natürlich kenne er das schon alles was nun käme, er sei ja schliesslich mehrfach Reha erprobt. Ergo: Wasser Theraphie Spezialist. Wenn nicht sogar selbst schon Wasser Therapheut. Alle Urlaubsgäste hatten im Pool Aufstellung genommen. Ganz rechts aussen ein paar Dauerurlauber, der Hautfarbe nach zu urteilen. Etwas fülliger aber trotzdem noch sehr aktiv. Respekt!

Der Gatte schon nervös, wann es denn losgehe, es sei schon 2 Minuten nach 11 Uhr. Er wird auch immer deutscher, kommt mir vor. Hätte ich noch locker aufs Klo gehen können, aber bitte. Dann der – für ihn – erlösende Pfiff! Eine durchtrainierte junge Mauritanierin beginnt mit den Komandos vom Beckenrand aus. 3 Längen hin und retour laufen. Alle sprinten los, die Dauercamper, die anderen Gäste und vorne weg der Gatte! Als Erster.
Gemma, gemma feuert er mich an als er von seiner ersten Runde retour kommt. Ich dachte das Kommando mit dem Laufen war mehr so symbolisch, daher bin ich gleich dort im Schatten geblieben und paar Mal rauf und runter gehüpft. So wie man eben hüpft, wenn man aufs Klo muss.
Als er zur zweiten Runde losrennt, höre ich nur irgendwas mit „jaja, wie in der Rehhaaaaa. Ich kenne das schon!“

Pfiff! Weiter geht’s mit Hampelmännern.
Hampelmänner eher subopti wenn das Oberteil nicht ganz so sitzt wie es sollte. Also lieber mal nachjustieren und fester stellen. „Du muast scho mit tuan! Des is ka Fashion Show“, höre ich sein Kommando von rechts. Sein Kopf ist schon ganz rot.
Inzwischen baut der Hotelfotograf sein Superobjektiv auf und richtet es auf die Dauercamper.
„Die Wombaden fotografiert er. Aha!“, höre ich es leicht beleidigt von rechts.
„Mama, was heisst Wombada“, kommt jetzt von links.
„Nix Schatz. Das ist der Cocktail des Tages!!“, sag ich und werfe dem Gatten massregelnde Blicke zu.

Pfiff! Es geht weiter mit Füsse heben. Knie nach oben. „Higher, higher“, ruft die Trainerin. Der Gatte nickt zustimmend. „Good. Wie in der Reha!“
„Knie zur Brust!!“, übersetzt er freundlicherweise für mich. Ich beobachte die Dauercamper. Da läuft das teilweise umgekehrt. Stichwort: Brust bis zum Knie.

Pfiff! Alle auf den Beckenrand setzen. Natürlich bin ich wieder der hellste Stern am Beckenrand. Weiss wie das Handtuch. Bauchübungen. Hände hinter den Kopf, Beine nach oben. Ich muss immer noch aufs Klo. Dringend.
„Une, deux, trois“, zählt der Gatte motiviert mit der Trainerin mit. Seit wann kann er französisch????
Ich kann auf jeden Fall gar nix mehr. Jede Klappbewegung drückt mir auf die Blase und Pool ist nur eine Option bis max. 5 Jahre…

Wie die anderen dehnen und ich zum Klo laufe, höre ich noch: „Papa, gibt es den Wombaden auch ohne Alkohol?“.

Ich brauch dann auch mal einen Cocktail…

Sitzkreis

27 Dez

Ich finde hier tatsächlich die perfekten Aufzuchtbedingen für mich wieder.
Die Zeitverschiebung beträgt 3 Stunden. Dh es is alles 3 Stunden früher hier.
Wie in meinem Leben daheim, wo ich um 5 Uhr früh aufstehe und um 20 Uhr vom Sessel kippe.

Was man in der ersten Nacht im fremden Bett träumt, geht ja angeblich in Erfüllung. Ich hab geträumt von Stermann und Grissemann (!?!!) und dass ich mit denen einen Sitzkreis gemacht und die Mediaplanung vom Verbund (!!) besprochen habe. Die beiden wollten Kleinanzeigen in Tageszeitungen, im Anzeigenteil. Ich habe zu regionalen Plakaten geraten.

Irgendwas will mir der Traum sagen. Ich komm nur noch nicht dahinter.

PS: Wie man am Foto gut erkennen kann, ich hab gleich in aller früh irrsinnigen Sport gemacht! 12 Minuten barfuß laufen. Dann war’s mir zu warm und ich bin direkt ins Meer hineingebogen. Mit Jogginggwand.
Ihr werd’s euch schön anschauen, mit welchem gestählten Körper ich heimkomme.

Oh Palmenbaum

27 Dez

Irgendwo is gestanden, was die Leute am meisten hassen auf Facebook sind Urlaubsfotos. Von anderen.

Oiso. I mochs kurz.
Das Meer ist so schön warm wie der Neusiedlersee nach einer langen Dürreperiode. Das is auch schon das einzige was hier an Dürreperioden erinnert.

Das mit dem Airbrush Tanning in Wien war für’n Hugo. Die motivierte Mitarbeiterin hat mich mit der falschen Farbe besprüht. Statt „Scandinavian“ hat sie den Farbton „African“ gewählt. Ist ja auch voll naheliegend bei mir.
Nachher hab ich ausgeschaut, wie wenn das Christkind durch den Kamin fliegt und ungeschützt mit dem Rauchfangkehrer rummacht….

#ohpalmenbaum

Übung gegen Trauigkeit

21 Dez

Einmal in der Woche stiefelt sie los mit ihrer viel zu großen Matte unterm Arm. Freifach Kinderyoga in der Schule.

Zu meiner Zeit hat es so tolle Angebote nicht gegeben. Mein einziges Freifach war „plastisches Gestalten“ in der Hauptschule. Meine krönende Abschlussarbeit war ein Aschenbecher aus Ton. Gebrannt, bemalt und schön verpackt lag der dann unterm Christbaum.
Im Nichtraucherhaushalt.

Die Übungen im Kinderyoga heissen „Heldenhaltung 1 und 2“, „Katzendehnung“ oder „Krokodil“. Jede Woche eine neue Übung und jede Woche eine Anleitung dazu.

Die letzte Übung die sie gelernt haben heisst „Übung gegen die Traurigkeit“

Also falls man zu Weihnachten auch mal traurig ist, weil man vielleicht an jemanden denkt, der nicht oder nicht mehr da ist, einfach Kopf nach unten, Hände nach hinten und tief atmen… ❤

Die Muschelkrippe

17 Dez

Seit heute steht sie wieder in voller Pracht und Herrlichkeit in unserer Mitte: die Original italienische Muschelkrippe.

Wie jedes Jahr um die Zeit öffnen wir den alten Karton und heben sie ganz vorsichtig heraus. Zum Schutz ist sie eingewickelt in Zeitungspapier. „Corriere della Sera“ vom 4. August 1977.

„Das war das Geschenk von meinem Papa zum Hochzeitstag an die Mama“, erzählt der Gatte. „Wir waren in Jesolo, ich war 1 Jahr alt“.

„Wieso schenkt man sich zum Hochzeitstag bei 35 Grad mitten im August eine Krippe aus Muscheln mit Josef, Maria, dem Jesus Kind und allem was dazugehört?“, will ich wissen.
„Jo der wird hoid vergessen hom a Geschenk zu besorgen. Und die Standln in Jesolo hatten ganzjährig alles zu bieten.“

Ich erinnere mich an die italienische Gondel die wir lange bei uns daheim hatten. Da waren auch so kleine bunte elektrische Lichter drauf, die man einschalten konnte. Das waren noch Urlaubsmitbringsel! Gut, es gab auch Kulis die man seitlich schwenken konnte, dann fuhr eine Gondel nach links. Oder eine Frau war nackt.

Ich stell mit vor wie die Gatten Familie 1977 in Jesolo saß. Auf der Promenade in einem schönen Lokal mit Blick aufs Meer. Der Papa in der kurzen Hose, die Mama im feschen Strandkleid. Die Haare hochgesteckt, mit hübscher Plastikblume drin und mit Lidstrich. An besonderen Tagen immer Lidstrich.
Am Tisch eine Flasche italienischer Wein („Lacrima Christi“), zwei Gläser, ein Aschenbecher und die Muschelkrippe.
Daneben der Kinderwagen mit dem plärrenden Gatten drin.

Diese Muschelkrippe wird immer einen besonderen Platz bei uns haben.
So wie die Beiden in unseren Herzen ❤