Der schönste Teil vom großen Tag…

9 Sep

Normalerweise lassen sich die Leute in meiner Altergruppe (forever39😊) ja eher scheiden.
Umso seltener aber dafür doppelt erfreulicher ist es daher, wenn mal wer heiratet. Vor allem wenn es so eine wunderschöne Hochzeit wie die von Marlies und Werner gestern war.

Am liebsten hab ich bei Hochzeiten den Teil mit den Reden! Oh wie ich diese Reden liebe! Wenn die Braut-Väter anfangen mit glasigen Augen über die Kindheit ihrer Tochter zu sprechen. Dann greif ich schon zur Stoffserviette und tupf mir die verschwommene Wimperntusche weg…
Wenn ich dann auf das Kind neben mir schau und ein bisserl vorspule im Leben, dann is überhaupt jegliche Continuance weg. Da verschwindet dann das ganze Gesicht in der Stoffserviette.

Das ist dann der Moment, wo sich die anderen Hochzeitsgäste fragen, warum die Dame so aus dem Ruder läuft und ob die eventuell als verschmähte Geliebte vom Bräutigam verpatzten Chancen hinterher weint…

Und trotzdem mag ich den Teil bei diesen Feiern immer am Liebsten. Weil es bei aller traumhaften und prachtvollen Inszenierung doch der persönlichste und innerste Teil ist. Wenn da jemand aufsteht vor allen Gästen und seinen Zettel auspackt…

Mutti braucht Spanx

7 Sep

Sehr festlich ist der Dresscode für die Hochzeit, wo ich heute noch geladen bin. Ich schau meine geliebten Hemdblusenkleider an. Sie schauen mich an. Ein festliche Stimmung kommt dabei eher nicht auf…

Zum Glück hab ich Anfang des Sommers ein sehr festliches und sehr rotes Kleid gekauft. Nun merke: Der Anfang ist nie gleich wie das Ende. Das ist wie im echten Leben.

Zwischen Sommeranfang und Ende lagen viele schöne Abende mit meinen Freunden Ben & Jerry, Hugo & Co…
Fazit: das sehr festliche und sehr rote Kleid wäre sehr gut geeignet, wenn ichdie ganze Hochzeit ausschliesslich stehend und mit angehaltenem Atem verbringen würde.
Jetzt hab ich mich gefragt ob ein bequemer rosa Rock vielleicht auch gehen würde?

Bei solchen Fragen bin ich dankbarer Teil einer grossartigen WhatsApp Gruppe: „Wein & Weiber“. Der Name ist Programm. Wein & Weiber weiss immer Rat, wie auch zur Rosa Rock Frage kam eine prompte whats App Antwort:
„Mit Nuttenböcken geht der Rock“.
Ich schaue hinab auf meine neuen coolen Hipster Stiefletten. Nö, da würd ich keinen Umsatz im Gewerbe damit machen. Also brauch ma wohl auch Schuhe.
Da fällt mir ein, dass es ja so Quetsch Dinger gibt. Vielleicht wäre das rote Kleid dann ja doch… ???
Auch dazu sind meine Wein Weiber die allwissenden Auskenner Es folgt eine Liste möglicher Bezugsquellen sogenannter „Spanx“ Wäsche.

Ja und jetzt renne ich hektisch durch das Shopping Center am Westbahnhof auf der Suche nach Quetsch-Wäsche und Nuttenschuhen. Schoafe Kombi!

Als ich potentielle Schuhe entdecke schicke ich ein Foto an die Wein Weiber:

„Sind die muttig genug?“, frage ich.

Tja, manchmal liegt die Autokorrektur vom Handy, gar nicht so weit daneben von der echten Realität…

Geheim und unter Verschluss

6 Sep

2x im Jahr sichere ich meine Fotos auf eine externe Festplatte. Auf der sind seit 2003 alle meine Fotos archiviert. Nicht dass ich die regelmässig anschauen würde, aber später, wenn ich dann im Heim bin, möchte ich sitzen mit meinem „Mac Book 2069“ und die Betreuerin fragen: wer war die Frau auf den Fotos? Wenn’s schlecht läuft, mit dem Erinnerungsvermögen.

Wenn’s gut läuft mit der Erinnerung, werde ich meine Betreuer zwingen alle meine Blogbeiträge zu lesen.

Weil das natürlich alles nur möglich ist, wenn diese Festplatte nicht gestohlen wird, habe ich heute ein neues Zuhause dafür gefunden.
Es wird ja dauernd wo eingebrochen und weil es bei uns sonst wirklich nichts zu holen gäbe, wäre das der wertvollste Gegenstand den diese Wohnung hergibt.

Die Suche nach einem neuen Heim war gar nicht so leicht, weil alle Plätze von Penzing bis Donaustadt: ausgebucht!
Einzig ein Institut auf der Meidlinger Hauptstrasse hatte ein Platzerl für mich frei.
Ich find den Gedanken eh schön, dass meine Erinnerungen auf der Meidlinger Hauptstrasse in Sicherungsverwahrung sind, denn das war auch meine erste Anlaufstelle als ich nach Wien ausgewandert bin. Zurück zum Ursprung…

Ich war ja noch nie in einem Bank Safe Raum. Alles sehr aufregend. Man wird hinbegleitet, hinter einer schweren Eisengitter Tür sind dann die zahlreichen Safe Kastln.
Dort wird man dann diskret allein gelassen mit seiner Box und kann dann einfach den Türöffner betätigen um wieder rauszukommen. Oder auch nicht. Einmal wäre eine Frau nicht mehr rausgekommen, hat mir der Mitarbeiter erzählt. Bei Dienst Schluss habe man ihre Schreie gehört.
„Ohne Klo?“, denk ich mir. Auch subopti.

Ob der Inhalt kontrolliert werde, frage ich den Mitarbeiter, der auch Sturm Fan ist, wie er mir begeistert erzählt, als er meiner steirischen Herkunft auf die Schliche kommt. „Nein“, sagt er schulterzuckend. „Aber was wäre, wenn da jemand Rauschgift, Hehlerware oder Raubkopien lagern würde?“, frage ich. Ich weiss eh nicht mal richtig, was Hehlerware ist, aber es klingt verwegen.
Für einen Sekundenbruchteil zieht er den Schlüssel wieder weg von mir.
„Schäääärz“, sage ich und nehme den Schlüssel lieber gleich an mich, bevor er einen endgültigen Rückzieher macht.
Wenigstens kann ich jetzt sicher sein, dass die ein gutes Auge auf mein Facherl haben werden.

Ein Schliessfach im Volumen eines Schuhkartons auf der Meidlinger Hauptstrasse. Das wird alles sein was bleibt. Aber es is das wertvollste was man besitzen kann: Erinnerungen.

Und 2069 werde ich ihn dann hoffentlich noch laut und falsch und mit den künstlichen Waffeln im Mund im Heim singen:

„Oh, when I look back now
That summer seemed to last forever
And if I had the choice
Yeah, I’d always wanna be there
Those were the best days of my life“

(Bryan Adams, Summer of 69)

Juhu – ich darf eine Kolumne schreiben!

3 Sep

Ich freue mich sehr, dass ich ab sofort auf woman30plus.at eine regelmässige Kolumne schreiben darf. 😍

In der ersten Geschichte geht es um den ultimativen Sommerhit 2018. Den Schoafmocha der Saison, oder eben auch nicht 😉

Freu mich sehr über Leser und vielen Dank an Evelyn Klima für die Einladung bei woman30plus.at zu schreiben !!

https://www.women30plus.at/life/freizeit/jeder-sommer-braucht-einen-sommerhit/

World Tour 2018

2 Sep

Schön war mein Auftritt in Berlin! Danke liebe Brauseboys für die Einladung!!

Auch wenn ich am Foto ausschau, als würde ich grad den Auftritt vom Schulchor ankündigen, der „Hello Dolly“ singt…

Der Gatte hat fleissig Mozartkugeln und kleine Klopfer an das Publikum verteilt. Ich hab vorab Vokabel Unterricht gemacht und den Berlinern beigebracht, was es in Wien heisst „einen Klopfer zu haben.“

Am besten kam der Satz „gusch du Wixer“ an und im Abgang wurde ich gefragt ob in Österreich alle so klein sind 🤗
Also schmähtechnisch harmoniert das gut zwischen Wien und Berlin…

Großkuscheltag

2 Sep

Strassenbahn in Berlin. Sonntag Vormittag.
Ich versuche mich zu stabilisieren. Den Handgepäck Koffer zwischen den Beinen gehe ich wechselnd in die Knie und probiere die Erschütterungen der Fahrt mit wellenförmigen Bewegungen des Oberkörpers auszugleichen. Ich kann keine Möglichkeit zum Anhalten erreichen.
Da macht sich das Tagada Training aus dem 80er Jahren bezahlt. Lässig in der Mitte der Platte, Tschick in der Hand.
War ich natürlich nie. Ich war mit hochrotem Kopf an den Sitz geklammert während die Füsse in die Luft geflogen sind.

Das Berliner Straßenbahn Tagada wackelt mich mal an den Bärtigen Links von mir, mal an die Asiatin rechts.

Dann kommt eine Durchsage vom Fahrer:

„Juten morjen da hinten. Am Sonntag is bei uns immer Großkuscheltag. Also ik wünsche euch viel Spaß da hinten.“

#berlin

One

1 Sep

Dem Gatten hab ich U2 Karten zum Geburtstag geschenkt. Er ist weltgrößter U2 Fan. U2 für ihn, ist wie Michelle für mich.

„One“ von U2 war das erste Lied dass er in einer Karaoke Bude damals nach dem Kennenlernen für mich gesungen hat. Laut, exaltiert und mit Begeisterung.
Zwei Jahre später hat es „One“ in der Kirche gespielt. Nachdem ich ja gesagt habe, hat er leise neben mir mitgesungen. „Is it getting better? Do you feel the same?“

Eh nicht gross verwunderlich, dass er so ein U2 Fan ist. Man verehrt die Götter, mit denen man sich am besten identifizieren kann. Aufgewachsen im Vorort von Dublin, der Eine. In der Grossfeldsiedlung von Wien, der Andere. Beide Kämpfer für Recht und Ordnung. Der Eine ist der Robin Hood der Rock Musik. Kein öffentlicher Auftritt ohne politische Statements.
Der Andere ist Betriebsrat.
Beide pflegen ihre langjährigen Hawara-Freundschaften. Ob Bono Vox auch „Seawas Spotzl“ sagt, wenn The Edge anruft ist allerdings fraglich.

Was diese Identifikationstheorie dann über mich aussagt ist dann halt auch die Frage? Dass ich Fan einer winzigen Schlagersängerin mit auffälliger Stimme, Hang zu unstetem Lebenswandel und unüberlegten Tatoos bin. Die sich dramatisch inszeniert aus der Musikbranche zurückzieht, um einen Hundesalon zu eröffnen… Und sich beim Comeback später wieder feiern zu lässt….

Grossartig war das U2 Konzert in Berlin gestern. Wahnsinns Show. Mitgröhl Hymnen vom Feinsten. Bloody Sunday, Pride, Beautiful Day…. olles dabei. Der Gatte geht es heute eher schweigend an, weil er keine Stimme mehr hat… was ich eh gut kompensieren kann.

Ganz am Ende vom Konzert dann die Zugaben. Es war finster in der Halle. Die bunte Show war aus. Nur mehr Tausende Handy Lichter haben geleuchtet. Und seine Augen neben mir.
Und dann haben sie beide inbrünstig gesungen:

„One life but we’re not the same
We get to carry each other, carry each other
One
One“