Barbara Karlich Show – ich war dabei!

30 Mai

Vor ein paar Monaten hab ich eine 13 Jahre alte Datei auf meinem Computer gefunden. Titel der Datei: „Todo vor 40“. Offenbar habe ich rund um die 30er Krise meine ultimativen Lebensträume festgehalten.

Der Inhalt war recht überschaubar:

1. Statist bei der Lindenstraße

2. Teilnehmer bei einer TV Talkshow

3. Studiogast bei „Mahlzeit Burgenland“

Intellektuell recht überschaubar, würde ich sagen.

Punkt 2. habe ich mir jetzt erfüllt. Ich war Teilnehmer bei einer TV Talkshow. Nicht bei irgendeiner TV Talkshow. Sondern bei der 3.589sten Folge der Barbara Karlich Show.

Als „Kind“ der 90er bin ich Talk Show Fan der ersten Stunde. Während meine Altersgenossen damals entweder auf der Uni gestrebert oder ihren Hangover nach experimentellen Technoevents im Gasometer auskuriert haben, bin ich fasziniert vorm Fernseher gesessen. Hans Meiser, RTL, 16:00. The Godfather of Talk Show. Der ORF hat schlagartig gekontert mit „Schiejok täglich“. Dann waren da natürlich noch Arabella auf Pro7, Britt, Birte, Ilona Christen… meine HeldInnen! So kam man locker und gemütlich durch den Nachmittag. Einmal bei einem New York Urlaub hab ich zum ersten Mal „Jerry Springer“ gesehen. Da zucken die Leute komplett aus. Mit hauen und ausziehen und Bitch Beschimpfungen. Ich hab gar nimma wegschauen können und einen kompletten Urlaubstag im Hotelzimmer mit US Talk Shows verbracht!

Aktuell bin ich auf Netflix gerade in die Serie „Unreal“ verliebt. Es geht hier um die Geschichten hinter den Kulissen einer Bachelor Produktion. Um Intrigen & Manipulationen um einen möglichst spannenden TV Content zu bekommen. Umso mehr war ich natürlich interessiert hinter die Kulissen einer TV Show blicken zu dürfen. Zumindest aus der Perspektive von einem Talk Gast. Ich muss sagen, ich war schwer beeindruckt wieviele Menschen an so einer Produktion mitarbeiten, wie professionell & reibungslos das alles abläuft und vor allem wie sympathisch und freundlich man von allen Beteiligten empfangen und betreut wird.

Man wird überallhin abgeholt und hingebracht, ins Kostüm, zur Maske, wieder zurück in die Warteräume der Gaste. Man fühlt sich ein bisserl wie die Queen auf Auslandsreise. Natürlich war ich trotzdem nervös. Vor lauter aufgeregt hab ich jeden einzelnen Produktionsmitarbeiter gefragt, ob er oder sie auch Fan von Unreal ist. Und danach ausschweifend den Handlungsstrang erklärt.

Am meisten hat mich allerdings die Barbara Karlich selbst und diese Zahl fasziniert. 3.589 Sendungen. Wenn ich das grob mit der Anzahl der Gäste pro Sendung hochrechne kommt ich auf fast 30.000 Talk Gäste!! Ich bin schon hoch stolz auf meine bisher auf Superklumpert veröffentlichten 322 Beiträge. Aber die Frau hat mit einem Fußball Stadion (!) voller Leute gesprochen. Mit jedem Einzelnen !!! Großen Respekt!

Meine Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Ich werde es dann natürlich auch am Blog posten (außer ich war ganz peinlich…).

PS: Nachdem ich jetzt irrsinnig medienerprobt bin, wäre ich bereit für die Lindenstraße oder Mahlzeit Burgenland…

PPS: Jetzt wollt´s sicher alle wissen, was das Thema der Sendung war, oder? Ich verrate als Cliffhänger nur wie ich angekündigt wurde: „Susanne, die froh ist, dass ihr Mann kein Arzt oder Pilot ist.“

😂

Süchtig.

26 Mai

Ein Buchgeschäft ist für mich wie der Brandineser des Vertrauens für einen Spiegeltrinker. Ich gehe rein, mein Hirn setzt aus, ich verliere die Kontrolle, zuerst über die Zeit und dann über mein Geld. Vielleicht heißt es deswegen bei den erfolgreichen Büchern „Spiegel Bestseller“???

Der Höhepunkt für so Menschen wie mich sind Buchlesungen. Nicht, dass ich nicht selber in der Lage wäre zu lesen, aber da kommt dann der/die Autorin und liest Passagen vor, man wird hineingezogen in die Geschichte. Man erfährt Hintergründe, man kann Fragen stellen. Und am Ende kaufen. Wie bei der Zotter Schokoladenfabrik, wo man dann soviel kauft, dass man die Kühltasche noch gratis dazu kriegt…

Gestern war wieder so eine Lesung, in meiner neuen Lieblingsgrätzelbuchhandlung: dem Buchcafe Melange in der Reindorfgasse. Die Reindorfgasse ist der neue upcoming heiße Scheiß. Neubau is over and out. Rudolfsheim-Fünfhaus is jetzt the place2be. Auf jeden Fall hat in dieser entzückenden Buchhandlung von Romana Ledl, die punktgenau meinen Geschmack trifft, eine andere Buchhändlerin gelesen. Petra Hartlieb, die nicht nur bekannte Wiener Buchhändlerin ist, sondern inzwischen auch schon mehrfache Autorin. Sie hat aus ihrem neuesten Buch „Wenn es Frühling wird in Wien“ vorgelesen. Von dem Buch erzähl ich aber beim nächsten Mal, weil es ist etwas anderes dazwischen gekommen, was mich bis 1:30 Uhr in der Nacht wach gehalten hat!

Nämlich ihr Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“. Als ich gegen 22 Uhr von der Lesung heimgekommen bin, wollte ich nur kurz reinlesen, um 23 Uhr hatte ich schon 5 Eselsohren reingemacht (das mache ich immer an superen Stellen), mehrfach gelacht und einmal geweint. Um 24 Uhr hab ich ernsthaft in Erwägung gezogen noch einen Kaffee zu trinken…

Alle die Bücher lieben, werden dieses Buch auch lieben. Es beschreibt ganz wunderbar, wie das ist, wenn man eine Idee und einen Traum verfolgt, so wie hier von 0 auf 100 eine Buchhandlung zu eröffnen. Und wie das ist, wenn man dafür erstmal alles was vorher geregelt war hinschmeißt und bei Null beginnt. Was man alles auf sich nimmt, welche Entbehrungen, welches Risiko. Das Buch gibt herrliche Einblicke in die Buch Branche und alle meine Superhelden kommen vor: Kaminer, Glavinic, Knecht, Glattauer. (Der Nerd in mir merkt eine Affinität zu Autoren mit „G“ oder „K“) und auch mein Lieblingsbuch wird zitiert („Das bin doch ich“).

Es beschreibt aber auch wie hart der Kampf gegen Amazon ist. Natürlich ist das praktisch, heute bestellt, morgen geliefert. Aber das können die Buchhandlungen auch, man kann fast überall auch bestellen und am nächsten Tag ist es da. Was mich aber viel mehr fasziniert ist, die persönliche Beratung. Wenn ich wo reingehe und meine aktuellen Lieblingsbücher aufzähle und dann werden mir für meinen Geschmack passende andere Bücher empfohlen, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Und dann geh ich wieder mit einem vollen Sackerl Bücher raus.
Nur ohne Kühltasche. Und nüchtern.

Meidling, meine wahre Natur.

20 Mai

Vorgestern hab ich mal die Apps ausgeräumt, mit denen ich über Facebook verbunden bin. Erstaunliches trat hier zu Tage. Offenbar dürfte ich mal in einer Selbstfindungsphase psychoanalytische Tests gemacht haben, wie zb „Welcher Schlumpf aus Schlumpfhausen bist du?“ oder „Welcher Wiener Bezirk entspricht deiner wahren Natur?“

Bei der zweiten Frage hab ich gleich an Meidling denken müssen. Dort wo es die meisten Steirer zuerst mal reinspült, wenn sie frisch über die A2 nach Wien kommen, um zu bleiben. Meidling oder Favoriten. Weil im Notfall is man schnell auch wieder draussen.

Ich mag ja das lebendige an Meidling. Am Freitag zb war ich auf der Meidlinger Hauptstrasse, der Champs Elysees des Bezirks, auf der Suche nach neuen Gartenschlapfen.
Unten bei der Niederhofstrasse beginnt es schon sehr quirlig. Auf dem Platz vor dem Cafe Rondo steht ein Karussell. Allein das Wortspiel daran begeistert mich schon wieder. Weniger begeistert war der ca 3 jährige Bub, der laut plärrend am Karussell im Polizeiauto gesessen ist. Von Runde zu Runde hat er mehr geweint. Oma und Opa sind tiefenentspannt am Bankerl daneben gesessen. „Der wird wieder wenig gschlofn hom im Kindagoaten“, hat die Oma zum Opa gesagt und freundlich dem heulenden Kind zugewinkt.

Weiter oben in Richtung Schuhgeschäft haben ein paar Frauen einen politischen Infostand aufgebaut. „Für mehr direkte Demokratie.“ Eine hat mir einen Flyer in die Hand gedruckt und mich gefragt, ob ich auch für mehr Wohlstand und mehr Geld warad. Langfristig natürlich sehr gerne, kurzfristig bräuchte ich zuerst neue Gartenschlapfen…

Vor dem Schuhgeschäft hat dann ein Strassenkünstler performt. Ein Mann mit einer Bontempi Orgel hat gesungen: „Kennst du die Peeeerle, die Perle Tirols, das Städtchen Kufstein, das kennst du wohl…“
Viel Geld war noch nicht in seinem Hut. Ich hab eh kurz überlegt, ob ich ihm drauf aufmerksam machen soll, dass das eventuell die falsche Zielgruppe für das Kufstein Lied sei. Das die Tiroler ja über die Westautobahn kommen, aber der Gatte sagt immer, ich soll mich nicht ständig überall hinein mischen.

Im Schuhgeschäft war dann eine recht lange Warteschlange an der Kassa. Wie ich da so steh mit den neuen Schlapfen, kommt grad eine Meidlinger Originalfrau (um die 60) mit ihrer Tochter (um die 40) rein. Die Tochter schwer dekolletiert, beide jeweils einen weissen Pudel an der Leine. Gerade als die Dekolletee-Tochter die Angebotsware bei der Kassa inspiziert hat, hat ihr Pudel daneben hingepischt! Der andere Pudel is gleich schwanzwedelnd gekommen und hat interessiert in die Lacke geschnüffelt. Der Mutter war das sehr unangenehm. Der Kassierin auch. Die Leute an der Kassa sind auch schon ungeduldig geworden.
Aber die Mutter hat dann ein Taschentuch gezückt und laut durchs Geschäft gerufen, dass das gleich erledigt und sozusagen schon weg sei. Dann hat sie das Taschentüchl (eines!) der Dekolletee-Tochter in die Hand gedrückt, die hat sich dann gebückt und von dem Zeitpunkt an waren zumindest die Männer in der Warteschlange wieder etwas ruhig gestellt…

In dem Moment geht hinten ein junger Mann mit so einem Beutl am Rücken aus dem Geschäft und löst den Alarm aus. Die Kassierin war jetzt endgültig fertig mit den Nerven. Warteschlange, Hundepisse oder Ladendieb?!? Da musst einmal Prioritäten setzen! Sie is dann dem Dieb nachgelaufen, hat einen großen Sprung über die Hundelacke gemacht (oh Wunder! Das EINE Taschentuch hat nämlich nicht gereicht) und ist raus aus dem Geschäft.

Beim Bontempi Mann hat sie aber eh gleich gestoppt, weil sie die Sinnlosigkeit des Vorhabens erkannt hat. Die Frauen aus der Warteschlange haben neugierig zugeschaut.
Nur der Bontempi Mann hat relativ unbeeindruckt weitergesungen:
„Patrona Bavariae,
Hoch überm Sternenzelt,
Breite deinen Mantel aus,
Weit über unser Land….“

Meidling.
Der Bezirk, der meiner wahren Natur entspricht. ❤

Die Sache mit dem Vibriergerät

13 Mai

Das alte Kristek Familiengesetz lautet bekanntlich ja: im Urlaub und bei Ausflügen darf man sich auch mal was leisten. Man darf nur nix übrig lassen oder verschwenden.

Dieses Wochenende waren wir zu 6. im Legoland Deutschland. Gatte, Kind, ich, bester Freund und dessen beiden Kinder. Genächtigt haben wir direkt am Gelände im Hotel Ritterburg. Hat den Vorteil, dass es direkt am Gelände ist und wenn man das 6-Bett-Zimmer nimmt ist es auch sehr Kosten effizient. Zwei Stockbetten im Kinderzimmer bieten prima Platz für 4 Personen unter 160cm. Ich hatte das untere Bett. Wie Mary Poppins inmitten der Kinderschar. Das is das wahre Matriachat.

Bei den zwei vollen Tagen im Legoland hat der Gatte dann was ganz grossartiges für uns organisiert: eine Fast Pass Maschine. Gegen einen wirklich schmerzhaften Aufpreis bekam er ein elektronisches Gerät an den Gürtel montiert, mit dem wir uns immer für das jeweils nächste Fahrgeschäft im Vergnügungspark anmelden konnten. Irgendwann hat das Trum dann vibriert und wir konnten bei diesem Fahrgeschäft ohne Wartezeit direkt einchecken. Vorbei an zahlreichen wartenden Menschen die 70, 80 Minuten oder länger schon angestanden sind. Unsympathisch, ja, aber Vorteil liegt klar auf der Hand: ohne Wartezeiten schaffst du locker die dreifache Menge an Achterbahnen, Flossfahrten oder Schwenkarmen, die dir das Frühstück aus dem Leib beideln.

So sind wir stehts wie eine lustige Karawane durch den Vergnügungspark gezogen: Vorne weg der Gatte mit dem Vibriergerät. Dahinter die drei Kinder im fröhlichen Laufschritt, dann ich voller Freude dass mein Schrittzähler gleich soviel angezeigt hat und dahinter unser Freund, immer wieder leise nach Kaffeepausen fragend.
Immer wenn wir dann wo in eine Achterbahn eingestiegen sind, hat der Gatte zufrieden auf das Display geschaut und begeistert verkündet, dass danach die nächste Attraktion auch schon bereit stünde.

Am zweiten Tag haben sich schon erste Ermüdungserscheinungen gezeigt. Die Laufschritte der Kinder wurden gemächlicher. Mein Schrittzähler hat sein Leben nimma packt und von hinter mir wurden die ersten Stimmen laut, ob man dem Gatten das Gerät vielleicht auch wegnehmen kann. Oder zumindest die Batterie manipulieren.

Heute sind wir in dem kleinen geborgten Bus alle am Weg nach Hause. In der 3. Reihe sind die drei Kinder glücklich, dass sie sitzen und fernsehen dürfen. In der 2. Reihe schläft unser Freund in einem semikomatösen Erschöpfungszustand. In der 1. Reihe dehne meine schmerzhafte Rücken- und Wadenmuskulatur am Beifahrersitz. Ausserdem habe ich kaum geschlafen. Wegen dem Songcontest. Und wegen dem Stockbett.

Nur der Gatte sitz frisch und fröhlich am Steuer und singt mit seiner mitgebrachten Playlist grad ein Duett mit Marilyn Manson:

„Sweet dreams are made of these
Who am I to disagree?
Travel the world and the seven seas
Everybody’s looking for something“

Gestern als er zwischendurch gefragt wurde, ob das immer so sei, wenn wir sowas machen, hat er ganz verwundert geantwortet:
„Ja sicher. Das is ja sonst wie wenn man sich um 50 Schilling eine Strandliege nimmt und dann nur ins Meer geht und gar nicht drauf liegt.“

Diese Familie hat eigene Gesetze….

PS: Ich hab mir mein eigenes bloggendes Mini-Lego-Me im Shop gebaut. Leider dann am Klo wieder verloren. Das Schreiben ist eine flüchtige Zunft… was bleibt ist ein Bild.

Rock n Roll mit Juli Zeh und David Schalko

8 Mai

Gestern Abend war ich auf einer Lesung im Konzerthaus. Spontan. Mit einer Karte vom Konzerthaus Schwarzmarkt. Gibt es wirklich! Da stehen im Eingangsbereich sehr gut betuchte Damen im Seidenensemble und verhökern Karten. Weil vielleicht wer krank geworden ist. Oder anderwertig abhanden gekommen. Lieber nicht fragen.

Ich war auf der Suche nach einer Karte für Juli Zeh. Eine der erfolgreichsten und großartigsten deutschen Autorinnen. Super Bücher!

Eine sehr sympathische, jüngere Dame hat mir dann eine Karte verkauft. Der is auch wer abhanden gekommen, hat sie erzählt. Weil zeitgleich und irgendwo in der Nähe der David Schalko sein neues Buch präsentiert. Oha! David Schalko – Großmeister der österreichischen Unterhaltung. Ich sag nur „Braunschlag“ oder „Altes Geld“.

Kurz zögere ich, ob ich auch zum Schalko wechseln soll, aber die Schwarzmarktverkäuferin war so lieb und hat sich so gefreut dass ich ihr die Karte abgekauft habe. Und die Juli Zeh ist extra aus Deutschland gekommen. Also jetzt eh nicht wegen mir. Aber da mag man auch keine leeren Plätze im Publikum vorfinden.

Im Saal ist dann freie Platzwahl, ich wähle die zweite Reihe. Gute Aussicht und trotzdem noch die erste Reihe als Sicherheitspuffer. Seit einem Konzert bei der Bloodhound Gang habe ich Angst vor ersten Reihen. Auch wenn nicht davon auszugehen ist, das mich eine berühmte deutsche Schriftstellerin von der Bühne aus anspeibt. Wie der Jimmy Pop das gemacht hat. Das Schweindl.

Das Licht verdunkelt sich. Der Moderator betritt die Bühne und kündigt die Darsteller an: „Meine Damen und Herren, sie bekommen heute Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt….“
Ja super. Das mag ich. Juli Zeh´s Gedanken sind nämlich immer sehr super in ihren Büchern.

„Wir wollen dabei das dialogische betonen….“, fährt der Moderator fort.
Das was? Ich hole heimlich mein Handy raus, um das Wort zu googeln.

„…oder besser gesagt das trialogische.“
Jössas! Das wird ja immer komplizierter. Ich öffne ein neues Suchfenster und tippe „Lesung David Schalko“ ein. Sein neues Buch „Schwere Knochen“, ein Wiener Gangsterroman wird heute präsentiert. Da steht: Voodoo Jürgens singt und spielt, Dirk Stermann unterhält sich mit David Schalko und Nicholas Ofczarek liest aus dem Roman.
Verdammt. Das klingt nach Rock n Roll während ich hier offenbar gleich dem Kammerorchester beiwohne.

Juli Zeh betritt die Bühne, mit noch einer Dame die dann singt und einem Herrn der dann am Klavier spielt. Das Licht wird noch dunkler. Ich rutsche gemütlich in meinen Sessel hinein.
Mit sanften Stimmen lesen und singen die Damen wirklich großartige Texte. Intelligent, zeitaktuell, gesellschaftskritisch. Ich bewundere diese Gabe Unterhaltsames mit Politischem zu verbinden. Tiefere Bedeutungen in die Unterhaltung hineinzumischen.

Bei den Worten „Ruhe sanft öffentlicher Diskurs“ kippe ich plötzlich nach links.
Und nein, das war jetzt nicht als politisches Statement zu sehen, dass ich nach links kippe, ich dürfte schlichtweg kurz eingeschlummert und auf der Schulter der linken Sitznachbarin wieder zu Bewusstsein gekommen sein. Peinlich berührt schrecke ich hoch. Auf der Bühne singen sie gerade mit sehr leiser Stimme „it´s a suicide world“.

Ich stelle mir vor, wie dieses Motto gerade bei der Schalko Premiere interpretiert wird. Und ob es da vielleicht schon Polizei Einsätze zu vermelden gibt.

Juli Zeh liest noch weitere wunderbare Texte. Übers Geschichten erzählen. Und dass man seinem Instinkt folgen soll. Das mag ich. Ich denke an meinen literarischen Instinkt, und dass ich vielleicht auch besser folgen sollte. (Morgen schreibe ich 100x „du musst besser folgen“. )

Im Anschluss an die Veranstaltung warte ich mit den anderen Gästen beim Konzerthaus Buffet auf das angekündigte Meet & Greet mit Juli Zeh. Die Seidentuchdamen trinken Sekt Orange und gönnen sich ein Lachsbrötchen. Ich trinke eine Melange. Dabei stelle ich mir vor, wie bei der Schalko Party schon das Interieur durch den Raum fliegt.

Ich komme ins Gespräch mit einer sehr netten deutschen Touristin. So vergeht dann auch die Wartezeit recht schnell. Nur dass am Ende keine Juli Zeh zum meeten und greeten kommt, sondern der Billeteur vom Konzerthaus, der von Tisch zu Tisch geht und mitteilt, dass die erwartete Hauptdarstellerin leider nicht mehr kommt. Sie sei zu erschöpft. Schade aber auch! Na gut, wenigstens das Buffet hat ein paar Lachsbrötchen verkauft und ich hatte ein nettes Gespräch.

Beim Rausgehen in die warme Wiener Nachtluft, als ich die Ohren offen halte ob die fetten Beats von der Schalko Party irgendwo zu hören sind, komme ich an einem geöffneten Konzerthaus Fenster im Erdgeschoß vorbei. Ein kleines Kammerl hinter dem Portier indem zwei Männer sitzen. Und wie ich da reinschau und mir denk, dass mir die beiden recht bekannt vorkommen und woher ich die schnell kenne? Und wie ich dann ein zweites Mal noch genauer hinschaue, da wird mir schlagartig klar: da sitzen der Nicholas Ofczarek und der Dirk Stermann und zünden sich grad gemütlich eine Tschick an.

Do is a also, da Rock ’n‘ Roll!

Vom Pfad abgekommen…

3 Mai

Man sollte seine Stadt ab und zu auch mal aus einem anderen Winkel sehen. Abseits der Pfade. Genau das war meine Mission gestern Abend…

Gut, bei der Anreise in der überfüllten 60er Strassenbahn gab es nicht viel alternative Seh-Winkel. Meine linke Seite ist dicht gedrängt auf der Scheibe gepickt, meine rechte Seite wurde von einem jungen Pärchen stabilisiert. Ein leichtes Alkohollüfterl ist von ihm ausgegangen. Es war sehr eng, grad noch soviel Platz, dass ich mein Handy aus der Tasche stirln konnte um die Zieladresse einzugeben. Reindorfgasse im 15. Bezirk.
„Da könnens gleich mit mir mitkommen“, hat die junge Frau vom Pärchen plötzlich zu mir gesagt und dabei auf mein Handydisplay gedeutet. Es hat offenbar auch praktische Vorteile wenn man so eng zusammenpickt. (Und die neue Datenschutzverordnung ist ja eh erst Ende Mai in Kraft… also insofern kann man noch gut auf fremden Displays mitlesen) 

Bei der nächsten Station steigen wir aus. Äussere Mariahilferstrasse. Nicht zwingend der Beauty Hot Spot von Wien. Das Pärchen geht voran, ich folge ihnen auffällig. Wie ein entlaufener Hund auf der Suche nach Futter. Stolz schon mal einen Pfad verlassen zu haben.
„Wo genau müssen Sie denn hin?“
„Ins Buchcafe Melange. Dort ist eine Lesung.“
„Schau“, sagt sie vorwurfsvoll zu ihrem leicht wankenden Freund. „Man kann auch zu einer Lesung in ein Cafe gehen, nicht immer nur um zu trinken.“
Jetzt tut er mir ein bissi leid.
„Vielleicht trink ich aber auch was.“ wende ich entschuldigend ein.
„Na bitte schön“, ruft er dann freudig aus. „Das mit der Lesung ist also auch nur ein Alibi zum Saufen!“

Mehr über die Lesung und dass ich mich dann auch noch blitzverliebt habe hier bei den Fotos:

Liest

Gib eine Der Autor Georg Renöckl hat aus seinen Büchern gelesen. Sehr sympathisch und unterhaltsam!

Buch

Wer weiss schon, dass am Westbahnhof eine Sissi Büste steht! Oder dass der Pariser Tourismus jetzt voll auf Virtual Reality setzt. Unbedingte Kaufempfehlung für die Bücher.

Buchcafe

Und blitzverliebt hab ich mich in das Buchcafe Melange.

Auslage

Wenn so eine schöne Schreibmaschine und die Juli Zeh in der Auslage stehen… dann is es schon um mich geschehen.

Regal

Das Sortiment ist so grossartig und perfekt auf meinen Geschmack zugeschnitten. Tschulie von Silvia Pistotnig und Mariana Leky als Sonderplatzierung im Regal… da geht mein Leser Herzerl auf…

Lokal

Und gleich ums Eck von der weltallerbesten Buchhandlung hat sich mit Kati Gietl auch noch ausgezeichnete Gastronomie gefunden.

MusicBox

…. mit Adriano Celentano in der Juke Box…. 😍

 

Die Wahrheit über den late check out

1 Mai

Wir Kristeks reisen gern und viel. Das war schon von Anbeginn der Familie, in die ich eingeheiratet habe so. Jeder Schülling wurde daheim drei mal umgedreht und im Urlaub vier mal ausgegeben. Genauer gesagt hat die Schwiegermutter den Schwiegervater umgedreht, so lang bis das schwer verdiente Postler Gehalt rausgepurzelt ist.

Und dann ab in den Urlaub! Spanien, Italien, den Gemeindebau hat man hinter sich gelassen und vor Ort nix ausgelassen. Erdbeeren mit Schlag für die Kinder. Bacardi Cola für die Schwiegereltern. Und wehe das Mischungsverhältnis fiel zu Ungunsten vom Bacardi aus. Da hat die Schwiegermutter dann auch gerne mal den Diabetiker Joker gezogen. Ob man wolle, dass sie in ein Zuckerkoma falle? Ob man wolle, dass sie das Stammcafe durch dieses Koma mit Abwesenheit strafe? Und schwups war die Mischung wieder ins Lot gebracht. Strahlend hat sie mir ihre „Elisabetta Spezialmischung“ dargestellt. Die flache Hand auf das Ende vom Saftglas gedeutet. Genau dort hat der Inhalt zu enden.

Im Urlaub wird nicht gegeizt. Wir konsumieren gut und gerne. Geben reichlich Trinkgeld, bunkern nix vom Frühstücksbuffet und deklarieren auch wirklich alles aus der Minibar.

Nur mit einer touristischen Erfindung hat man sich bei uns keine Freind gemacht: dem late check out.

Den innerfamiliär sehr beliebten Begrüssungscocktail haben sie vielerorts abgeschafft und fast zeitgleich den late check out angeschafft. Ein schlechter Deal! Nicht dass wir nicht alle gerne bis zum bitteren Ende bleiben. Wir essen und trinken ja dann auch wieder reichlich. Aber extra dafür nochmal zu zahlen!?

Also haben wir unseren eigenen late check out erfunden. Dass kann dann schon gut sein, dass sich am Abreisetag eine Kollonne Kristeks auf den Weg in die Badebereiche macht. Wie so eine seltsame Pinguinflotte am Weg zum Südpol.

Alle in Bademänteln und Jeans darunter.

Schönen Feiertag noch und schöne Grüsse vom late check out aus Budapest!!

PS: Falls ein Hotelier mitliest: rechnets es lieber in den Preis rein und schreibt „all in“ drauf. Wir kommen umso lieber.