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Mein Interview mit Armin Wolf

11 Mai

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Geschichte lieber von mir vorlesen lassen? Dann bitte Play taste drücken: 

 

Ich habe ja diese 13 Jahre alte Datei auf meinem Computer gefunden, von der ich schon einmal erzählt habe. Titel der Datei: „Todo vor 40“. Rund um die Krise zu meinem 30. Geburtstag, habe ich hier wohl meine ultimativen Lebensträume festgehalten.

Während andere davon träumen auf Weltreise zu gehen, Superstar zu werden oder Bücher zu schreiben, steht auf meiner Liste der Dinge, die ich gerne machen möchte:

  1. Statist bei der Lindenstraße
  2. Teilnehmer bei einer TV Talkshow 
  3. Studiogast bei „Mahlzeit Burgenland“ 

Bis zum 40er ist sich nix davon ausgegangen. Aber dafür hab ich mich verheiratet. Immerhin! Das war ja mit 30 so dermaßen außer Reichweite, dass ich es nicht mal hingeschrieben habe, auf die Liste. Ich hör jetzt noch wie meine Oma in der Steiermark immer zu mir gesagt hat „find´st da kan hiesigen?“. Steirer hätte sie gemeint. Noch genauer Oststeirer. Und das obwohl lt. Opa eh so viele Steirer in Wien sind, um als Polizist Verbrecher zu jagen. Nur mich hat halt keiner gejagt. Egal jetzt.

Also die drei Träume! Wer schon länger meine Superklumpert Gschichten liest, wird wissen, Punkt 3. meiner Liste habe ich mir letztes Jahr erfüllen dürfen: Ich war Studiogast bei der Barbara Karlich Show im Fernsehen! Thema (wobei mir jedes Thema recht gewesen wäre, es find´ sie zu allem eine Meinung), also in meiner Sendung war das Thema: Mit meinem Beruf habe ich es leicht in der Liebe. Mein Credo war: mir war es immer wurscht, was wer arbeitet. Männertechnisch hätte ich mich von allen Berufsgruppen jagen lassen. Stichwort: tatütata.

Und gestern, ging völlig unvorhergesehen Punkt 3. in Erfüllung. Ich war sozusagen Studiogast bei „Mahlzeit Burgenland“, meiner Lieblingsmittagssendung. Die treffen nicht nur musikalisch meinen Mittagsgeschmack, sondern haben auch immer interessante Studiogäste zum Talk geladen. Gestern zum Beispiel hat Rocco Granata von seiner Marina gesungen und als Studiogast war der berühmte ORF Moderator und auch Social Media Star Armin Wolf geladen.

Was ich da jetzt mit dem Interview zu tun gehabt habe, fragt ihr euch? Ja meine Damen und Herren, hier kommen die Möglichkeiten der modernen Technik zum Einsatz. Der Moderator der Sendung Mahlzeit Burgenland, Georg Prenner, hat vor der Sendung auf Facebook aufgerufen, man könne ihm gerne Fragen schicken, die er dann an Armin Wolf stellt. Das habe ich natürlich getan und wer mich kennt, weiß sofort welche Frage ich gestellt habe: „was ist das Lieblingsbuch von Armin Wolf?“

Selig bin ich dann vor dem Radio gesessen und habe gehört, wie kurz danach meine Frage beantwortet wurde. Das war natürlich kein echtes Radio, weil mein Büro ist ja nicht im Burgenland, sondern in Wien Meidling. Aber dank moderner Technik, Stichwort: Online Radio, ist es auch den zuagroasten Pendlern im Exil möglich nicht auf ihre heimatlichen Klänge verzichten zu müssen. Ich bin immer noch fasziniert von den Möglichkeiten, die einem das Internet so bietet. Als Generation Viertel-Telefon bin ich da leicht zu begeistern! An alle U40er: früher hat man sich mit 4 Nachbarn eine Telefonleitung teilen müssen. Dh hat einer telefoniert, war Sprechpause für alle anderen. Einmal war ein technischer Fehler bei uns daheim und ich habe wochenlang die Gespräche der anderen 3 Nachbarn aus unserer Telefongemeinschaft mitanhören können. Ich hoffe, das liest jetzt keiner mit. Heute wär das einfacher, zumindest mich abzuhören, weil ich eh alles poste…. Da braucht es keine Telefonabhörung mehr. Egal. Ich schweife schon wieder ab. Elend. Aber heut ist eh Samstag und ihr habt Zeit zum lesen oder?

Ich habe mein glückliches Erfolgserlebnis mit dem quasi Armin Wolf Interview natürlich auch gleich auf Facebook posten müssen. Ich bin ja auch so eine Irre. Und beim posten ist mir dann gleich eingefallen, wie ich schon mal beim ORF aktiv sein durfte. Als ich eine Postkarte mit einem Inserat für die Rubrik Brieffreundin gesucht an den ORF Teletext geschickt habe. 1986. Und danach meine Brieffreundin Nicole aus der DDR gefunden habe. Leider weiß ich keinen Nachnamen mehr. Das ist schade. Aber vielleicht könnte ich in alte Stasi Akten Einsicht nehmen, die Briefe waren nämlich immer aufgeschlitzt und wieder zugepickt. Ich hab immer gehofft, dass die uns wenigstens mal eine kleine Beigabe reintun, wenn sie schon so diskret unser Briefgeheimnis verletzen. Einen Starschnitt von Morten Harket von Aha vielleicht, oder noch besser: Konzertkarten für David Bowie. Oder wenigstens eine Spruchpostkarten. Vielleicht mit dem Text: „Du glaubst, du wirst überwacht? Woart was im Jahr 2019 passiert!“ Aber damit hätte ich eh nix anfangen können, weil mich im Jahr 2019 als 44jährige alte Hutschachtel vorzustellen, das hätte meine damaligen Grenzen der Belastbarkeit gesprengt.

Heast! Schon wieder abgeschweift! Ich kann mich nicht kurz fassen!

Auf jeden Fall, während ich im Büro dann so weiterarbeite und nebenbei das Gespräch mit Armin Wolf verfolge, höre ich wie der Moderator der Sendung plötzlich über MICH spricht:

„Da is mir jetzt eine Userin sehr glücklich. Sie fühlt sich so glücklich, als hätte sie Armin Wolf selbst interviewt und sie erinnert sich an das Jahr 1986. Damals hat sie der ORF genauso glücklich gemacht, als er ihr via Teletext eine Brieffreundin in der DDR beschafft hat. Interessante Verlinkung von Gedanken. Hatten Sie jemals eine Brieffreundin Herr Wolf?“

Und dann erzählt Armin Wolf über seine deutsche Brieffreundin Jessica aus dem Jahre 1977 oder 1978.

Man kann sagen: this is where the magic happens! Ich konnte live in einer Radiosendung eine Frage stellen, wurde zitiert und habe quasi eine weitere völlig neue Diskussion, nämlich die über Brieffreunde, anregen dürfen. Sozusagen war ich gestern sowas ähnliches, wie ein virtueller Studiogast bei Mahlzeit Burgenland und habe somit Punkt 3 meiner Lebensagenda erfolgreich erledigt!

PS: das Lieblingsbuch von Armin Wolf ist übrigens „Abendland“ von Michael Köhlmeier. Das trifft sich gut. Von ihm hab ich eh noch nix gelesen.

PS2: In der selben Nacht meiner 30er Feier, habe ich dann sogar noch einen Heiratsmann gefunden. Zwar wieder kein Steirer, aber dafür ein waschechter Wiener aus dem Gemeindebau. Ex-Postler von Beruf. Kein tatütata, aber wie heißt der Slogan: „die Post bringt allen was“. Brieffreunde und offenbar auch Ehemänner….

Wer mich als Podcast abonnieren will, kann das jetzt auch machen: einfach nach „Superklumpert“ auf euren Podcast Dingern suchen (Spotify, Itunes, etc.) 

Buchtipp: Der Preis der Macht

21 Okt

„Mama, lesen wir heute wieder die außergewöhnlichen Frauen?“ Diese Frage höre ich von meiner 7jährigen Tochter fast jeden Abend. Und dann lesen wir faszinierende Geschichten aus dem Buch „Good Night Stories for Rebel Girls.“ Untertitel: 100 außergewöhnliche Frauen. Eine davon ist Angela Merkel.

Genau neben dieser Angela Merkel sitzt im Jahr 1998 die damalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, als der Anruf kommt. In Lassing ist eine Grube eingestürzt, ein Bergmann ist gefangen, dann auch die Suchmannschaft verschüttet. Waltraud Klasnic lässt sofort alles liegen und stehen und fährt an den Unglücksort. Sie tritt dort vor die wartenden Angehörigen, die sie verzweifelt anschauen und Rettung erhoffen.

Ich sitze in der zweiten Reihe bei der Buchpräsentation, als Waltraud Klasnic über diesen Abend vor 20 Jahren spricht. Ich bin nah genug dran um zu sehen, dass sie dabei Tränen in den Augen hat. Mich drückt es auch schon. Lou Lorenz-Dittlbacher, die man aus der ZIB2 kennt, präsentiert ihr Buch „Der Preis der Macht“. In dem Buch dokumentiert sie Gespräche mit acht ehemaligen Spitzenpolitikerinnen. Waltraud Klasnic ist eine davon. Ich habe das Buch vorher schon gelesen und freue mich daher umso mehr auf die Präsentation und die Hintergrundgeschichten dazu.

Sehr persönliche Einblicke in das Leben von acht ehemaligen Politikerinnen

Im Vorwort schreibt Lou Lorenz-Dittlbacher, dass sie an einem Abend vor zwei Jahren ihrer Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat. Und dass sie überzeugt war, dass sie ihr beim Aufwachen erzählen würde können, dass eine Frau im Jahr 2016 alles erreichen kann. Dass der Weg nach oben frei sei. Auch ins weiße Haus.

Dass dieser Weg für eine Frau vielleicht doch noch nicht frei ist, hat der nächste Morgen gezeigt.  In dem Buch „Der Preis der Macht“ geht es auch um Antworten auf die Frage: Ist Österreich bereit für eine Frau an der Spitze? Diese acht ehemaligen Politikerinnen erzählen aber auch sehr Persönliches, woher sie kommen, wie sie aufgewachsen sind, wie sie an die Macht kamen. Und wie es dann damit vorbei war.

Das Buch ist extrem spannend, interessant und vieles davon war für mich auch sehr überraschend und unerwartet. Vor allem aber bist du als Leser emotional sofort sehr eng dran an den Hauptdarstellerinnen.  Und dass man als Politikerin immer auch eine Hauptdarstellerin sein muss, wird einem beim Lesen auch schnell klar. Es geht um Außenauftritte, um Performance, um Kommunikation. Wie Heide Schmidt, die ebenfalls in dem Buch portraitiert ist, beschrieben hat: „Es geht um das Funktionieren der medialen Bilder und der gewollten medialen Bilder“.

Mich persönlich faszinieren ja auch immer die Exit Strategien. Was kommt danach? Brigitte Ederer zum Beispiel, wollte sich einen Jugendtraum erfüllen: „Gasthaus-Eigentümerin und Schmähführerin. Den neuesten Tratsch austauschen.“ So stell ich mir meinen Ruhestand dann auch bitte mal vor, Schmähführerin und Tratsch austauschen. Nur ohne Gasthaus-Eigentümer halt.

Oder Waltraud Klasnic, die  nach ihrer politischen Karriere großes Engagement für Themen an den Tag legt, die nicht so lustig sind. Die vielleicht sonst gar keiner machen möchte. Ehrenamtlich engagiert sie sich im Bereich Hospiz und kümmert sich um Opfer von sexuellem Missbrauch. Warum sie sich gerade für so schwierige Themen einsetze, will Lou Lorenz-Dittlbacher bei der Buchpräsentation von Waltraud Klasnic wissen. „Vielleicht auch ein bisschen, um meiner leiblichen Mutter zu zeigen, dass mein Leben lebenswert ist. Dass es sich ausgezahlt hat, mich nicht abzutreiben, so wie sie ursprünglich vorhatte.“ In dem Moment ist es mucksmäuschenstill in der Buchhandlung. Ich habe noch nie bei einer Buchpräsentation geweint. Jetzt ist es soweit.

Prädikat: großartig zum Selberlesen und zum Verschenken

Genauso berührend wie die Geschichte von Waltraud Klasnic, die bei dieser Buchpräsentation persönlich anwesend ist, sind aber auch die Geschichten von Gabi Burgstaller, Brigitte Ederer, Benita Ferrero-Waldner, Ulrike Lunacek, Maria Rauch-Kallat, Susanne Riess und Heide Schmidt.

„Der Preis der Macht. Österreichische Politikerinnen blicken zurück“ ist nicht nur großartig zum Selberlesen, sondern auch ein wunderbares Geschenk. Ich habe an dem Abend gleich eines  für meinen Opa in der Steiermark gekauft. Der wird im April 90 Jahre alt und freut sich sicher über die persönliche Widmung von der ORF-Moderatorin und von der ehemaligen Landeshauptfrau.

Mein Exemplar schenke ich in ein paar Jahren meiner Tochter, wenn sie dann zu groß für die „Rebel Girls“ ist. Ein Zitat im Vorwort von Lou Lorenz-Dittlbacher habe ich ihr jetzt schon mit pinkem Leuchtstift markiert:

„Ich weiß, dass wir weiterhin die Gläserne Decke nicht haben zertrümmern können, aber irgendwann wird es jemand tun – hoffentlich früher, als wir jetzt denken mögen. Und an alle die kleinen Mädchen, die dies hier verfolgen: Zweifelt nie daran, dass ihr wertvoll seid und mächtig und jede Chance und Gelegenheit in der Welt verdient, eure Träume zu verfolgen und zu verwirklichen“ (Hillary Clinton, 2016)

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